Über den Selbstmordattentäter von Stockholm weiß man inzwischen einiges – und irgendwie auch nichts: Taimur Abdelwahab al-Abdali, so soll er heißen, ist schwedischer Staatsbürger. Der 29-Jährige stammt wohl aus dem Irak, hat Frau und Kinder in England. Den Geheimdiensten war er bisher nicht aufgefallen. Wie auch bei den deutschen Kofferbombern rettete damit ein technischer Defekt am Samstagnachmittag in der Stockholmer Innenstadt das Leben Dutzender Passanten.

Es ist dieser Attentäter-Typ, der den Sicherheitsbehörden schon lange den "Schweiß auf die Stirn treibt", wie Terrorexperte Berndt Georg Thamm sagt. Denn unabhängig davon, ob der Mann einige wenige Helfer hatte , von al-Qaida beauftragt war oder vollkommen alleine handelte, wie bisher noch unklar ist: Auch in Deutschland fürchtet man solche Islamisten, die unauffällig im Land leben und dann plötzlich zuschlagen.

Ein Problem für die Sicherheitsbehörden ist, dass die islamistische Terrorszene seit Jahren immer mehr zerfasert, sagt Thamm ZEIT ONLINE. Auch wenn al-Abdali in seinem Abschiedsbrief von einem Terrorlager berichte: Viele Dschihadisten informierten sich inzwischen ganz profan im Internet über den Heiligen Krieg und suchten sich dort auf eigene Faust Anleitungen zum Bombenbau. "Gerade die sogenannten einsamen Wölfe, die lonely wolves , sind gefährlich", sagt der Experte in Sachen islamistischer Terror, "ihnen reicht ein kleiner Anlass um dann auch zur Tat zu schreiten."

Das müssen also nicht nur Bilder von palästinensischen oder afghanischen Kriegsopfern oder Mohammed-Karrikaturen sein, es können auch ganz persönliche Kränkungen eine Rolle spielen. Gerade das und die Tatsache, dass viele bis zum Tatzeitpunkt eher unauffällig lebten, mache es schwer, die potenziellen Terroristen zu greifen. "Es klingt makaber, aber da kann man oftmals nur hoffen, dass sie beim Bombenbau handwerkliche Fehler machen und es nicht zum Schlimmsten kommt", weiß Thamm.

Einzelgängerische Terroristen seien in ihrer Unberechenbarkeit vergleichbar mit Amokläufern, sagt auch der Vizechef des Hamburger Verfassungsschutzes, Manfred Murck: "Ihre Pläne vor der Umsetzung aufzudecken, ist sehr schwierig, weil man schließlich nicht in ihre Köpfe gucken kann."

Das Bundesinnenministerium hat daher auch nicht vor, die bereits bestehenden strengen Sicherheitsvorkehrungen nochmals zu erhöhen, wie ein Sprecher auch am Montag betonte. "Wir können nicht mehr leisten, als wir bereits tun", sagt auch der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Baden-Württemberg, Rüdiger Seidenspinner.

Die Polizei versuche aus den Vorgehensweisen der bisherigen Terroranschläge in Madrid, London und den versuchten Terrorplanungen der deutschen Sauerland-Gruppe sowie der Kofferbomber zu lernen, Handlungsmotive abzuleiten. Doch nicht immer kann dies helfen: So wollen fast alle Terroristen große Menschenmengen treffen. Einen bevölkerten Weihnachtsmarkt oder eine volle Einkaufsstraße wie in Stockholm zu beschützen – fast unmöglich für Streifenpolizisten.