Weißrusslands Präsident Alexander Lukaschenko hält an seiner harten Linie gegen Kritiker fest. In Eilverfahren verurteilten Gerichte fast 600 Regierungsgegner zu Haftstrafen zwischen 5 und 15 Tagen. Die Oppositionellen hätten nach der Präsidentenwahl am Sonntag unerlaubt gegen den Sieg von Amtsinhaber Lukaschenko demonstriert, teilte der Polizeichef der weißrussischen Hauptstadt Minsk, Generalmajor Leonid Farmagej, mit.

Zehntausende Menschen waren am Wahlabend auf die Straße gegangen , um gegen das Ergebnis der Abstimmung zu protestieren. Dutzende Gegner des seit 16 Jahren autoritär regierenden Lukaschenko hatten zudem versucht, staatliche Gebäude zu stürmen. Die Polizei löste die Proteste gewaltsam auf . Hunderte Menschen wurden festgenommen, darunter auch sieben der neun Gegenkandidaten des Staatschefs. Aus Oppositionskreisen verlautete, gegen sie werde wegen des Verdachts auf "Organisation massiver Störungen der öffentlichen Ordnung" ermittelt. Darauf stehen in Weißrussland bis zu 15 Jahre Gefängnis.

Auch am Montag nahm die Polizei Augenzeugenberichten zufolge Demonstranten vor dem Sitz der Regierung in der Hauptstadt Minsk fest. Die etwa 30 jungen Menschen hätten dort ein Spruchband mit einer Rücktrittsforderung an Lukaschenko entrollt, worauf Angriffe der Polizei erfolgt seien. Die Beamten schlugen demnach einigen Demonstranten ins Gesicht, andere seien mit Tritten traktiert worden.

Die jungen Demonstranten hatten sich den Angaben zufolge auf dem Unabhängigkeitsplatz in Minsk versammelt. Der Oktoberplatz, wo am Sonntag die Massendemonstration stattgefunden hatte, wurde am Montag streng bewacht und war fast menschenleer.

Die Wahl in Weißrussland rief nicht nur innenpolitisch Proteste hervor: Die USA kritisierten die Ergebnisse der Wahl als nicht rechtmäßig. Die Wahl sei weder frei noch fair abgelaufen, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. Das Vorgehen der Behörden gegen die Demonstranten bezeichnete Washington als "unverhältnismäßig". Zuvor hatten bereits die Bundesregierung und die Europäische Union (EU) das Regime aufgefordert, festgenommene Regierungskritiker freizulassen .

Ob sie damit zu Lukaschenko durchdringen, ist fraglich. Der wiedergewählte Präsident, von Kritikern als "letzter Diktator Europas" bezeichnet, wies die Vorwürfe des Wahlbetrugs zurück. Die Abstimmung sei "würdig" verlaufen, bei den festgenommenen Protestierern handele es sich dagegen um "Banditen und Vandalen", die ihr menschliches Gesicht verloren hätten. Lukaschenko kündigte an, die Pressefreiheit weiter einzuschränken. Er werde die Strafen verschärfen, sagte der Staatschef.

Lukaschenko darf für seinen Kurs auf die Unterstützung durch den mächtigen Nachbar Russland zählen. Der Kreml erkannte das Ergebnis an. Die Wahl sei eine interne Angelegenheit Weißrusslands, sagte der russische Präsident Dmitrij Medwedjew. Auch Wahlbeobachter aus früheren Sowjetrepubliken teilten mit, der Urnengang sei ordnungsgemäß verlaufen. Demnach lag Lukaschenko diesmal etwa 3 Prozentpunkte unter dem Ergebnis von 2006, als er 82,6 Prozent der Stimmen erhalten hatte. Die Wahlbeteiligung wurde mit mehr als 90 Prozent angegeben.

Ob es weitere Proteste geben wird, ist aktuell offen. Die Opposition in Weißrussland ist tief gespalten und hatte sich vor der Wahl nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können. Auch nach der Abstimmung sind sich die Regierungskritiker uneins: Der prominente Präsidentschaftskandidat Jaroslaw Romantschuk warf seinen Mitbewerbern vor, das scharfe Vorgehen der Behörden provoziert zu haben. "Darunter leiden wir nun alle", sagte Romantschuk. "Die Machthaber werden das nun ausnutzen, um alle demokratischen Ansätze im Keim zu ersticken."