Regierungsgegner in Weißrussland haben noch während der Präsidentenwahl zu einer Großdemonstration in der Hauptstadt Minsk aufgerufen. "Wenn die Wahlbüros schließen, gehen wir auf die Straße", kündigte der Kandidat Wladimir Nekljajew bei der Stimmabgabe an. Die Opposition befürchtet massive Wahlfälschungen des autoritären Regimes von Präsident Alexander Lukaschenko.

Die Regierung der ehemaligen Sowjetrepublik hatte schon im Vorfeld Kundgebungen verboten und in den vergangenen Tagen Militär und gepanzerte Fahrzeuge in Minsk zusammengezogen. Der seit 1994 regierende Lukaschenko strebte bei der heutigen Wahl eine vierte Amtszeit an.

Nach Angaben der Opposition nahm die Polizei mehrere Aktivisten fest und warnte vor Protesten gegen das Regime. Mindestens ein Regierungsgegner wird nach Berichten unabhängiger Medien vermisst. Kritiker werfen Lukaschenko vor, seine Gegner mit Einschüchterungen und Repressionen unter Druck zu setzen.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen hatte sich bis zum Mittag nach Angaben der Zentralen Wahlkommission bereits ein Drittel der insgesamt etwa sieben Millionen Berechtigten an der Abstimmung beteiligt. Es gebe keine Zwischenfälle, sagte Kommissionschefin Lidija Jermoschina. Erste Prognosen werden mit Schließung der Wahllokale um 19.00 Uhr erwartet.

Die Wahlkommission erwartete eine Wahlbeteiligung von etwa 90 Prozent. Zwar herrscht in Weißrussland keine Wahlpflicht, allerdings werden zahlreiche Bevölkerungsgruppen wie Studenten, Soldaten oder Arbeiter unter schweren Drohungen gezwungen, für Lukaschenko abzustimmen, berichten Beobachter. Der von Gegnern oft als "letzter Diktator Europas" geschmähte Amtsinhaber regiert bereits seit 1994.