Nur einen Tag nach ihrer Bildung ist die neue Übergangsregierung in Tunesien in schwere Turbulenzen geraten. Die drei Gewerkschaftsvertreter im Kabinett erklärten am Dienstag ihren Rücktritt, ein Oppositionsführer setzte seine Mitarbeit aus. Offenbar, um die Krise zu entschärfen, verließen Übergangspräsident Fouad Mebazaa und Regierungschef Mohamed Ghannouchi die frühere de-facto-Einheits- und Regierungspartei RCD.

Die RCD trennte sich ihrerseits von zahlreichen prominenten Mitgliedern, die dem verhassten Trabelsi-Clan der früheren Präsidentengattin Leila Trabelsi angehören. Das berichtete das tunesische Fernsehen am Dienstag. Zuvor war es zu Demonstrationen in zahlreichen Orten des Landes gekommen. Viele Tunesier sind von der am Montag vorgestellten Übergangsregierung enttäuscht, weil sechs Kabinettsmitglieder der alten Garde ihre Posten behalten haben.

Als Grund für ihren Rückzug nannten die Gewerkschaftsvertreter die Beteiligung von Ministern der RCD. Doch die Opposition erklärte, dass der Austritt Ghannouchis und Mebazaas aus der alten Regierungspartei nicht ausreiche.

Ghannouchi hatte am Montag seine neue Regierungsmannschaft berufen, die Schlüsselressorts Verteidigung, Finanzen, Inneres und Auswärtiges aber in der Hand der bisherigen Minister belassen. Damit behielt die RCD, die Ben Ali 23 Jahre lang als Machtbasis diente, ihren Einfluss. Das sorgte auf den Straßen von Tunis für Unmut: Hunderte Anhänger der Opposition und Gewerkschafter protestierten gegen die neue Regierung, die sie als Heuchelei bezeichneten. Die Demonstranten trugen Transparente mit Aufschriften wie "Weg mit der RCD". Die Polizei ging wiederholt mit Tränengas gegen sie vor. Es heißt, die Menschen hätten sich friedlich versammelt.

Abid al-Briki, Vertreter der Gewerkschaft UGTT, erklärte, der Rücktritt ihrer drei Minister entspreche dem Willen des Volkes. Auch der aus dem Oppositionslager kommende Gesundheitsminister Mustafa Ben Jaafar begründete seine Amtsniederlegung mit der Anwesenheit der RCD-Minister. Die Partei Ettajdid rief alle RCD-Minister auf, aus ihrer Partei auszutreten. Ansonsten wollte auch sie das Bündnis verlassen.

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