Die Demonstrationen und Proteste gegen das Regime des seit 1981 regierenden Staatspräsidenten Hosni Mubarak reißen nicht ab. Dem Regime schlägt die größte Protestwelle seit Mubaraks Machtübernahme entgegen. Vor allem in Kairo und in der Hafenstadt Suez gingen die Menschen erneut auf die Straße – trotz massiver Drohungen der Führung.

Immer wieder versammelten sich kleinere Gruppen von Demonstranten, Polizeikräfte trieben sie mit Gewalt auseinander. Besonders heikel war die Lage in Suez, wo das Innenministerium inzwischen eine nächtliche Ausgangssperre verhängt hat. Der Konflikt war eskaliert, nachdem die Polizei eine große Trauerfeier für die vier Männer verboten hatte, die in der Nacht zuvor getötet worden waren. Wütende Demonstranten stürmten daraufhin einen Polizeiposten.

Bereits den ganzen Tag über kam es in der Hauptstadt und anderen Städten zu Protesten und Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und Sicherheitskräften. Polizisten feuerten Augenzeugen zufolge mit Gummigeschossen in die Menge und schlugen mit Gummiknüppeln zu. Demonstranten zündeten Reifen an und warfen Steine auf die Polizei. In Suez setzten sie ein Regierungsgebäude in Brand.

Bei den Auseinandersetzungen starben seit Dienstag mindestens drei Demonstranten und ein Polizist. Widersprüchliche Informationen aus dem Umfeld der Sicherheitskräfte gab es zum Tod eines Polizisten und einer Zivilistin. Zunächst hieß es, die beiden seien bei den Demonstrationen ums Leben gekommen. Später wurde ein Verkehrsunfall als Ursache genannt. Nach Angaben des Innenministeriums wurden bislang 500 Menschen festgenommen. Eine unabhängige Vereinigung von Rechtsanwälten sprach dagegen von 1200. Auch mehrere Journalisten wurden festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, die Massen aufgewiegelt und Chaos in den Straßen erzeugt zu haben. In Aufrufen im Internet haben die Protestler weitere Demonstrationen nach den Freitagsgebeten angekündigt. 

Die Proteste dürften durch die Rückkehr von Mohammed ElBaradei einen neuen Impuls bekommen. Der Friedensnobelpreisträger und frühere Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde gilt als potenzieller Herausforderer von Mubarak bei den geplanten Präsidentschaftswahlen im Herbst. Die Proteste in seinem Heimatland will der in Wien lebende ElBaradei von nun aktiv begleiten. "Ich werde nach Kairo und auf die Straße zurückkehren", schrieb er in einem Beitrag für die US-Webseite The Daily Beast. "Es gibt keine andere Möglichkeit." Wie der Nachrichtensender Al Jazeera unter Berufung auf den Bruder des Oppositionellen, Ali ElBaradei, berichtet, will Mohammed ElBaradei an diesem Abend in der Hauptstadt ankommen und am nächsten Morgen an einem Protestmarsch teilnehmen. 

Die Proteste richten sich vor allem gegen Ägyptens Machthaber. Demonstranten, von denen sich viele vom Beispiel des tunesischen Volksaufstandes inspiriert fühlen, verlangten Reformen. Sie wollen eine neue Kandidatur von Präsident Mubarak bei der Wahl verhindern. Andere wiederum gingen auf die Straße, um höhere Löhne für Staatsdiener zu fordern. Islamistische Slogans waren bei den Demonstrationen nicht zu hören. Bislang ging die ägyptische Führung auf die Forderungen nicht ein.

Nun rief US-Außenministerin Hillary Clinton zu Reformen in dem arabischen Land auf. Zugleich appellierte sie an die Behörden, friedliche Demonstrationen und den Zugang zu sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter zuzulassen. "Wir unterstützen die universellen Rechte des ägyptischen Volkes, was das Recht auf Meinungsfreiheit und Versammlung einschließt", sagte sie. Die Regierung Ägyptens habe jetzt "eine wichtige Gelegenheit, politische, wirtschaftliche und soziale Reformen umzusetzen, um den legitimen Bedürfnissen und Interessen den ägyptischen Volkes zu entsprechen".