Angeblich sind seit der vergangenen Nacht mehrere Tausend Häftlinge in Ägypten auf der Flucht. Das berichtet das lokale Fernsehen. Demnach kam es im Gefängnis Abu Saabel, außerhalb Kairos, zu einem Massenausbruch. Allein hier sollen rund 6.000 Insassen geflohen sein. Darunter seien auch Schwerverbrecher und islamistische Extremisten.

Ein weiterer Gefangenenausbruch wurde aus dem Zentralgefängnis in der Oasenstadt Fajum südlich von Kairo gemeldet. Dort sollen die Häftlinge einen Polizeigeneral getötet und einen weiteren General verschleppt haben. Weitere Angaben zu den Ausbrüchen liegen derzeit nicht vor.

Die ägyptische Regierung hat derweil am Sonntag den arabischen Fernsehsender Al Jazeera verboten. Wie die amtliche ägyptische Nachrichtenagentur Mena meldete, ordnete der scheidende Informationsminister Anas el Fekki ein Empfangsverbot für den Satellitensender an. Der Sender aus Katar hatte bisher umfassend über die Proteste gegen die ägyptische Regierung berichtet.

Die Armee schützte am Sonntagmorgen nach wie vor nur öffentliche Gebäude. Soldaten fahren zudem in einigen Straßen Patrouillen. Bis zum späten Abend waren noch Ausschreitungen und Plünderungen aus Kairo gemeldet worden. In den Wohnvierteln der Hauptstadt, wo das Militär nicht in Stellung gegangen war, organisierten sich Bewohner in Bürgerwehren, um sich gegen Plünderer zu schützen.

Unbekannte drangen auch in das Ägyptische Museum ein. Sie hätten zwei Mumien zerstört, berichtete der TV-Sender Arabiya. Das Museum beherbergt neben anderen unwiederbringlichen Artefakten die goldene Maske des Königs Tutanchamun. Ein Archäologe berichtet im Staatsfernsehen, dass Ägypter auf der Straße versucht hätten, das Gebäude durch eine Menschenkette zu schützen. Die Vandalen seien aber über das Dach in das Museum gelangt.

Auch Supermärkte, Banken, Juweliere und Regierungsgebäude wurden am Wochenende geplündert. Klinikärzte berichteten am Samstagabend von Angriffen auf Krankenhäuser. So sei etwa eine Kinderkrebsklinik ausgeraubt worden. In einem Krankenhaus im Kairoer Bezirk Abbasija hätten Ärzte Molotowcocktails hergestellt, um das Gebäude verteidigen zu können. Das ägyptische Staatsfernsehen zeigte am Abend erstmals Bilder von Dutzenden Menschen. Es sollen festgenommene Plünderer sein.

In der Nacht versuchten Demonstranten das Innenministerium in Kairo zu stürmen, berichtete der Fernsehsender Al Jazeera. Sie wurden jedoch von der Polizei daran gehindert. Augenzeugen sagten, es seien auch Schüsse gefallen. Dabei sollen mehrere Demonstranten getötet worden sein. Nach unterschiedlichen Berichten kamen bei den Protesten seit Freitag in ganz Ägypten bis zu 100 Menschen ums Leben.