Der Guardian nennt es die "größte Enthüllung von Geheimdokumenten in der Geschichte des Nahost-Konflikts": Sowohl die britische Zeitung als auch der arabische Nachrichtensender al-Dschasira wollen in den kommenden Tagen Tausende Geheimdokumente der Nahost-Friedensverhandlungen veröffentlichen. Diese sollen Auskunft geben über die nachgiebige Position der Palästinenser, die in den Verhandlungen für eine Zwei-Staaten-Lösung mit Israel zu weitreichenden Zugeständnissen bereit gewesen sein sollen.

Die vertraulichen Papiere – Gesprächsprotokolle, E-Mails und Karten der palästinensischen Behörden – umfassen einen Zeitraum von zehn Jahren. Sie reichen von den Verhandlungen im Jahr 2000 in Camp David zwischen dem damaligen Palästinenserpräsident Jassir Arafat, dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und US-Präsident Bill Clinton bis hin zu inoffiziellen Gesprächen im vergangenen Jahr, an denen auch Beamte der jetzigen Regierung von US-Präsident Barack Obama teilgenommen haben sollen.

Die meisten Dokumente beziehen sich dabei auf den Zeitraum nach 2007, als beide Seiten substanzielle Angebote in die Verhandlungen eingebracht hatten. Dabei werden nach Angaben des Guardian drei Aspekte deutlich: die Schwäche und zunehmende Verzweiflung der Palästinenserführung, sowohl unter ihrem früheren Präsidenten Jassir Arafat als auch unter dessen Nachfolger Mahmud Abbas, die unnachgiebige Verhandlungsposition der Israelis und schließlich die oft herablassende Haltung der US-Politik gegenüber den palästinensischen Vertretern.

Erste Auszüge aus den insgesamt 1600 vertraulichen Aufzeichnungen sind bereits bei al-Dschasira und beim Guardian einzusehen. Die darin nachzulesenden palästinensischen Verhandlungsangebote betreffen die beiden Hauptkonfliktpunkte im Friedensprozess: den künftigen Status von Jerusalem und das Schicksal der rund fünf Millionen palästinensischen Flüchtlinge. Laut al-Dschasira und Guardian sollen die palästinensischen Unterhändler im Laufe der Gespräche ihre in der Öffentlichkeit stets vertretene harte Linie aufgegeben haben – und zu Kompromissen bereit gewesen sein, die vor allem in der arabischen Welt für Aufsehen sorgen dürften.

Dabei geht es um Jerusalem und hier vor allem um die von Israel besetzten Gebiete in Ost-Jerusalem sowie die in der Altstadt gelegenen heiligen Stätten des Islam. Wie aus den jetzt veröffentlichten Dokumenten hervorgehen soll, sollen die Palästinenser bereit gewesen sein, die Annexion anzuerkennen. Bis auf eine Siedlung namens Hor Hama hätten alle Gebiete – einschließlich des Tempelbergs – in israelischer Hand verbleiben sollen.