Der syrische Präsident Baschar al-Assad forderte in einem Interview mit dem Wall Street Journal die arabischen Führer zu Reformen auf. Assad mahnte die Politiker "sich selbst in dem Maß weiterzuentwickeln, wie sich die Gesellschaft weiterentwickelt". Er sprach von einer neuen Ära, die nicht erst seit den Protesten begonnen hätte. Zur Bewältigung der Situation seien "offene Gesellschaften" und ein "Dialog" nötig.

In seinem eigenen Land schätzt Assad die Lage als stabil ein. Syrien habe "den Wandel meistern" können, obwohl "die meisten Staaten der Welt" Sanktionen gegen das Land verhängt hätten. Zu den Vorgängen in Ägypten und Tunesien äußerte er sich nicht direkt, führte aber aus, dass sich in der Region "eine Art Krankheit" ausgebreitet habe. In "stehendem Gewässer" entstehe "Verschmutzung". Dieses Bild lasse sich auf die "jahrzehntelange Stagnation" in der arabischen Welt übertragen, sagte Assad.

Seit dem Jahr 2000 ist Assad in Syrien an der Macht. Damals beerbte er seinen Vater Hafis al-Assad, der das Land zuvor drei Jahrzehnte lang regiert hatte.

Nach offiziellen Angaben leben 14 Prozent der 22 Millionen Einwohner des Landes in Armut, jeder Fünfte ist arbeitslos. Um mittellosen Familien zu helfen, legte die Regierung Anfang Januar einen millionenschweren Hilfsplan auf. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch werden in Syrien Oppositionelle verfolgt und die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt. Bisher ist es seit den Protesten in Tunesien und Ägypten noch zu keinen größeren Ausschreitungen in Syrien gekommen.