Vande Lanotte ist mit seinen Verhandlungskünsten am Ende: Der von König Albert II. eingesetzte Vermittler hat seine Mission für gescheitert erklärt und den Souverän um seine Demission gebeten. Zuvor hatte er 99 Tage zwischen Flamen und Wallonen zu vermitteln versucht. Doch die Gegensätze zwischen den beiden Lagern scheinen unüberwindlich.

Bereits vor rund drei Wochen hatte Vanotte nach einer Blockade der Gespräche seinen Rücktritt angeboten. Damals hatte ihn König Albert aber überzeugt, die Vermittlung fortzusetzen. Nun wirft der flämische Sozialist das Handtuch. "Wir sind immer noch in der Sackgasse", lautete sein Fazit.

Bei den Gesprächen geht es um eine Staatsreform und um die Bildung einer neuen belgischen Regierung. Das Kabinett von Yves Leterme ist seit April 2010 nur noch kommissarisch im Amt, nachdem die Koalition am Streit zwischen Flamen und Frankophonen zerbrach.

Aus der Parlamentswahl im Juni war die Partei der flämischen Separatisten als stärkste Kraft hervorgegangen. Sie fordern eine größere, auch finanzielle Autonomie der Regionen, was jedoch von den Parteien aus dem französischsprachigen Wallonien abgelehnt wird. Sie befürchten, dass am Ende der belgische Staat auseinanderbrechen könne. Die Flamen machen die Regierungsbildung von einer Einigung in diesen Fragen abhängig.

Insgesamt verhandeln sieben Parteien aus dem Niederländisch sprechenden Norden und dem französischsprachigen Süden des Landes. Offenbar haben sie aber niemals gemeinsame Gespräche geführt. "Es war nicht möglich, die sieben Parteien wieder an den Verhandlungstisch zu bringen", sagte Vanotte. "Man kann keine Vereinbarung finden, wenn man nicht am Verhandlungstisch sitzt."

Politische Beobachter fragen sich, welche Strategie der Wahlsieger, der flämische Nationalist Bart De Wever, letztlich verfolgt. Seine Neu-Flämische Allianz (N-VA) hält den belgischen Staat auf Dauer für überflüssig. Falls die Blockade andauere, so heißt es in Brüssel, seien Neuwahlen in Belgien nicht mehr zu vermeiden.