Ausschweifende Partys und Kontakte zu Prostituierten haben Silvio Berlusconi seit Langem in Verruf gebracht. Seit ein Gericht in Italien ein Gesetz kippte, das dem Premier vor Ermittlungen schützte, ist die Justiz erneut tätig. Die Mailänder Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts des Umgangs mit einer minderjährigen Prostituierten und des Amtsmissbrauchs.

Berlusconi hat sich nun in einem Interview verteidigt, er attackierte die Ermittler scharf. Die Staatsanwälte würden seine Kontakte zu einem Eskortmädchen als "politische Waffe" nutzen, sagte Berlusconi im Fernsehsender Sky TG 24, der dem Medienunternehmer Rupert Murdoch gehört. "Es gab keinen Amtsmissbrauch und keine Anstiftung zur Prostitution, noch viel weniger von Minderjährigen", sagte Berlusconi. Es handle sich um einen neuen "schweren Angriff" der Staatsanwälte, die "für politische Ziele auf dem Gesetz herumtrampeln" würden. Deren Ziel sei es, den "Willen des Volkes" zu umgehen, das ihn gewählt hatte.

Außerdem habe die Mailänder Staatsanwaltschaft technische Mittel gegen ihn eingesetzt, als gelte es, gegen die Mafia zu ermitteln. Das mittlerweile 18 Jahre alte Eskortmädchen Ruby verteidigte Berlusconi in einem von Berlusconis privaten Fernsehsendern. Berlusconi habe ihr zwar geholfen, aber nichts als Gegenleistung verlangt. Er habe sie "nie berührt, nicht einmal mit dem Finger". Sie fügte hinzu, sie habe sich niemals prostituiert. Sie bestritt zugleich, dass sie von Berlusconi als Gegenleistung für ihr Schweigen über ihre Beziehung fünf Millionen Euro verlangt habe. Entsprechende Abschriften abgehörter Telefongespräche waren zuvor in Zeitungen erschienen.

Das 36-jährige Starlet Sabina Began, deren Name im Zuge einer früheren Affäre um ausschweifende Partys Berlusconis bekannt geworden war, schloss bei Sky TG 24 aus, dass Berlusconi sexuelle Beziehungen zu Minderjährigen, etwa zu Ruby, unterhalten habe. Der Ministerpräsident umgebe sich lediglich gern mit jungen Frauen.

Donatella Ferranti von der Demokratischen Partei sagte, angesichts der Schwere der Anschuldigungen sei es "armselig" von Berlusconi, sich im Fernsehen zu verteidigen. Der Chef der oppositionellen Christdemokratischen Partei (UDC), Pier Ferdinando Casini, sagte, Berlusconi habe offenbar noch nicht begriffen, dass ein Wahlsieg nicht bedeute, dass jemandem ein Land gehöre.

In einem am Montag veröffentlichten Brief an das Abgeordnetenhaus in Rom schrieb sie, sie habe Beweise für Rotlicht-Kontakte des Regierungschefs, unter anderem mit der damals minderjährigen Ruby. Außerdem soll er seine Stellung genutzt haben, um Ende Mai von der Polizei die Freilassung Rubys zu fordern, als sie wegen Diebstahlverdachts in Polizeigewahrsam war.