Für die US-Regierung ist die Bilanz des hohen Staatsbesuchs aus China zwiespältig. Da sind zum einen die immer noch allzu offensichtlichen Differenzen zwischen Washington und Peking bei den Themen Menschenrechte und Währungspolitik. Da sind zum anderen aber die vielen Milliardenaufträge chinesischer Unternehmen bei ihren amerikanischen Kollegen, die in den USA für viele neue Arbeitsplätze sorgen dürften. Aber es gibt auch einen außenpolitischen Erfolg, der in US-Regierungskreisen als bedeutender Schritt bewertet wurde.

Es handelt sich um die gemeinsame Erklärung der beiden Staatschefs zum nordkoreanischen Atomprogramm. Auch China hat seine Besorgnis zum Ausdruck gebracht – und das erstmals öffentlich. Seit Längerem hatten die USA, Südkorea und Japan von der Regierung in Peking mehr Härte gegenüber Nordkorea gefordert – bislang vergeblich.

Nun aber zeigten sich sowohl US-Präsident Barack Obama als auch sein chinesischer Amtskollege Hu Jintao besorgt über die Bemühungen von Nordkorea, Uran anzureichern. In der Erklärung betonten beide, wie wichtig eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel sei und dass die Ergebnisse früherer Gespräche umgesetzt werden müssten. "In diesem Zusammenhang bringen die Vereinigten Staaten und China ihre Besorgnis bezüglich des bekanntgegebenen Uran-Anreicherungsprogramms zum Ausdruck", hieß es in dem Schreiben.

So hatte sich China in internationalen Zusammenhängen bisher nicht geäußert. Die KP-Regierung gilt als Schutzmacht und wichtigster Verbündete des abgeschotteten Landes im Norden der koreanischen Halbinsel. In der Region hatten die Spannungen im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Ausschlaggebend dafür war auch die Ankündigung des Regimes in Pjöngjang, es verfüge nun nicht nur über Plutonium-Technologie, sondern auch über ein Programm zur Anreicherung von Uran. Beiden Verfahren ermöglichen den Bau von Kernwaffen.

Trotz dieser neuen Harmonie im Atomstreit mit Nordkorea gab es bei anderen zentralen Themen zwischen Hu und Obama keinen Durchbruch. So betonte der US-Präsident, er habe bei dem Treffen auch die Menschenrechtsfrage angesprochen. Hu machte deutlich, er teile nicht, wie sein Gastgeber universelle Menschenrechte definiere. Er gab aber zu, es gebe in China "noch viel zu tun". Gar keine Erwiderung gab er auf Obamas direkt vorgetragene Aussage, der Kurs des Yuan müsse angepasst werden.

Nach dem offiziellen Staatsempfang und dem Festessen zu Beginn seiner Reise hörte Hu an seinem dritten Besuchstag ohnehin deutlich schärfere Töne. Der Chinese stellte sich der bei einem Treffen der Kritik von einflussreichen Kongressabgeordneten. "Wir haben unsere große und fortdauernde Sorge über Berichte von Menschenrechtsverletzungen in China geäußert", sagte der neue Präsident des Repräsentantenhauses, der Republikaner John Boehner. Dazu zählten auch die Verweigerung religiöser Freiheiten und Zwangsabtreibungen als Folge der chinesischen Ein-Kind-Politik, hieß es weiter. Peking habe die Pflicht, hier die Lage zu bessern. Die Vereinigten Staaten stünden derweil in der Verantwortung, darauf zu achten, dass es Fortschritte gebe.