Die 27 europäischen Agrarminister beauftragten bei ihrem Treffen in Brüssel die EU-Kommission damit, einen Vorschlag für Futtermittelkontrollen auszuarbeiten. Bessere Kontrollen sollen künftig sicherstellen, dass Fetthersteller die Produktion von Futterfetten und technischen Fetten strikt trennen. Die EU will ein Frühwarnsystem für Dioxine in Lebensmitteln aufbauen. Falls private Labore in Proben Dioxin finden, werden sie verpflichtet, diese zu melden.

"Diese Maßnahmen werden unser bereits gutes Sicherheitssystem rasch verbessern", kündigte EU-Verbraucherkommissar John Dalli an. In den kommenden Wochen werde die EU-Behörde einen Gesetzesentwurf präsentieren, der dann von den Mitgliedsstaaten angenommen werden muss. Ungarns Landwirtschaftsminister Sandor Fazekas sagte: "Die Maßnahmen (der Kommission) können dann hoffentlich garantieren, dass sich so etwas in Zukunft nicht wiederholt." Ungarn führt derzeit den Vorsitz der EU-Ministerräte.

Allerdings fanden die weitergehenden Forderungen Deutschlands keine Mehrheit auf EU-Ebene. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hatte eine Positivliste der Stoffe gefordert, die in Futterfett enthalten sein dürfen, sowie die Absicherung des Haftungsrisikos und eine Zulassungspflicht für Betriebe. Dies stößt in Brüssel noch auf Vorbehalte. EU-Gesundheitskommissar John Dalli sagte, eine solche Liste sei kein effektives Mittel zur Verhinderung solcher Verunreinigungen. Österreichs Agrarminister Niki Berlakovich sprach sich hingegen für eine solche Positivliste aus.

Bei dem Besuch von EU-Experten diese Woche in Deutschland werde sie "Überzeugungsarbeit leisten", sagte Aigner. Mehr Sicherheit dürfte nicht an den Kosten scheitern: "Einzelne Maßnahmen können für die Wirtschaft durchaus mit höheren Belastungen verbunden sein." Man müsse das Sicherheitsnetz noch enger knüpfen und die geltenden Standards überprüfen, sagte Aigner.

Zur Unterstützung der Schweinebauern kündigte EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos die Einführung der sogenannten privaten Lagerhaltung an. Dabei erhalten die Bauern Geld für Fleisch, das sie zunächst nur lagern. Durch den Skandal in Deutschland verkauften viele Schweinewirte weniger Fleisch und mussten deutliche Preiseinbußen hinnehmen. Zudem blockieren einige Abnehmer in anderen Ländern den Import deutscher Schweine.

Kommissar Dalli lobte die von der Bundesregierung ergriffenen Maßnahmen im Dioxin-Skandal und sagte: "Es gibt keine akute Gesundheitsgefahr." Man arbeite hart daran, außereuropäische Staaten von ungerechtfertigten Einfuhrverboten abzuhalten. Derzeit sind nach Angaben Aigners in Deutschland noch 589 Betriebe deswegen gesperrt, die meisten davon in Niedersachsen.

Der Dioxin-Skandal hat das Vertrauen der Verbraucher in Lebensmittelkontrollen weiter sinken lassen. Inzwischen glaubten nur noch 27 Prozent, dass Lebensmittel ausreichend auf gesundheitlich bedenkliche Rückstände untersucht werden, berichtete die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg. Noch im Herbst seien es deutlich mehr gewesen. Die GfK hatte dazu Mitte Januar 1004 Verbraucher telefonisch befragt.

In den vergangenen zehn Jahren hatte es vier Mal Dioxin-Skandale in Lebensmitteln gegeben. Davon waren Irland, Belgien und zwei Mal Deutschland betroffen.