Die Aktivisten von "Gaza Youth Break Out" nehmen kein Blatt vor den Mund: Fuck Hamas! , so beginnt ihr Manifest auf Facebook . Deswegen bangen sie nun um ihre Unversehrtheit. Denn das Leben im Gaza-Streifen kann gefährlich sein. Dort herrscht die radikalislamische Hamas und sie ist unterdrückerisch, gewalttätig, frauenfeindlich und intolerant. Kritik wird nicht geduldet. Oppositionelle bekommen hier den Knüppel zu spüren, Hamas hält die Bevölkerung des Gaza-Streifens an der kurzen Leine.

Die Gruppe "Gaza Youth Break Out" (GYBO) erhebt dagegen ihre Stimme. Das Ende Dezember vergangenen Jahres veröffentlichte Manifest hatte nach wenigen Tagen schon mehr als 10.000 Likes auf Facebook gesammelt. Täglich kommen etwa tausend hinzu, die den "Gefällt mir"-Knopf drücken. Acht Studenten in Gaza sollen es formuliert haben, drei Frauen und fünf Männer. Die Internetplattform ermöglicht es ihnen, anonym für ihr Anliegen einzustehen und sie sprechen zunächst einmal nur für sich. Doch viele der GYBO- Likes kämen aus dem Gaza-Streifen, erzählten sie während eines heimlichen Treffens Journalisten des englischen Guardian. Heimlich, denn: "Wir fürchten nicht nur um unser Leben, wir fürchten um die Sicherheit unserer Familien", berichteten sie den Reportern.

Das Manifest von GYBO ist ein Rundumschlag, in dem die Verzweiflung über das Leben im überfüllten Gaza-Streifen zum Ausdruck kommt. Nach Fuck Hama! lautet der Einstieg Fuck Israel. Fuck Fatah. Fuck UN. Fuck UNWRA. Fuck USA! We, the youth in Gaza, are so fed up with Israel, Hamas, the occupation, the violations of human rights and the indifference of the international community! Mehr als eine politische Forderung wird hier formuliert, es ist der emotionale Ausbruch einer Generation, die das Leben in Krieg und Konfrontation leid ist.

GYBO stellt sich gegen Israel, aber auch gegen die Autoritäten. Bewacher, die verhindern, dass die jungen Menschen nach ihren eigenen Wünschen leben und auch ein wenig genießen können. GYBO zeigt den Menschen, dass sie genug haben: Genug vom Gebaren ihrer radikalen Führung, genug von der Gaza-Blockade Israels, genug von der Ignoranz der Regierungen der demokratischen Welt.

Vergnügungen sind unerwünscht

Zerrieben zwischen den Machtkämpfen der palästinensischen Führung von Hamas und Fatah im Westjordanland, deren politisches Kalkül über das Schicksal des Einzelnen bestimmt, und eingesperrt durch die Blockade Israels sieht die Zukunft der jungen Menschen im Gaza-Streifen alles Andere, als rosig aus. Auf einer Fläche, die etwa die Größe des Bundeslandes Bremen umfasst, leben 1,5 Millionen Menschen, mehr als die Hälfte ist unter 18 Jahre alt.

Die Kinder Gazas wachsen in einer einzigen Misere auf. Es mangelt an Allem und unter dem Regime der seit 2007, nach freien Wahlen herrschenden Hamas und der folgenden Blockade Israels wurde es nur noch schlimmer. Zum täglichen Verzicht und zur Sorge, der Konflikt mit Israel könne abermals eskalieren, kommt die Angst der Jugend vor den Hamas-Radikalen.