Wenige Tage nach dem Anschlag auf die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords steht Glenn Beck in seinem Studio und verliert kaum Worte über die sechs Getöteten. Nur kurz hält er sich mit Anstand und Zurückhaltung auf, dann bläst der Star des Nachrichtensenders Fox News zum Angriff .

Beck sagt eingangs: "Heute ist Mittwoch. Familien in Arizona trauern, sie beten. Manche von ihnen hoffen – entgegen jeder Hoffnung – auf ein Wunder. Während diese Menschen es mit der Echtheit einer Tragödie zu tun haben, behandeln andere diese Tragödie als ein Spiel. Als Gelegenheit, Spenden zu sammeln! Gesetze durchzudrücken! Regulierungen! Ein Programm durchzudrücken!"

Es ist ein klassischer Glenn-Beck-Moment. In einer respektlosen Volte teilt er die Welt holzschnittartig in Gut und Böse. Hier die gläubigen, einfachen Menschen, die beten und die sich mit der "Echtheit" der Tragödie auseinandersetzen. Dort die abgehobene, fortschrittliche Elite Washingtons, die Verrat an den amerikanischen Werten begeht, die mit Regulierung ihre Kritikern den Ton abdrehen und die USA zu einer kommunistisch-faschistoiden Diktatur ummodeln will. 

Der 45-jährige Beck ist ein ehemaliger Alkoholiker, ein Gläubiger, der zum Mormonentum übergetreten ist, und er ist Amerikas erfolgreichster rechtskonservativer Entertainer. Sein Eingangsstatement ist typisch für seine Show und dafür, wie Fox News Politik präsentiert. Erst appelliert Beck mit einfachen Schlagworten – Familie, Glaube, Hoffnung – an sein mehrheitlich christlich-fundamentalistisches Publikum und dessen Mythen. Dann ergeht er sich in Andeutungen und Verdächtigungen gegen den vermeintlich wuchernden Staat mit seinen Gesetzen und Regulierungen. Sein Publikum weiß jeden seiner Sätze zu dechiffrieren.

Beck seufzt tief bewegt, er ist bekannt für seine öffentlich geweinten Tränen. Jede seiner Pausen ist dramaturgisch gesetzt, um Anteilnahme zu inszenieren. Seine Argumentation hingegen ist dünn. Ein aus dem Zusammenhang gerissener Wortfetzen genügt ihm als Beleg. Und am Ende gipfeln all diese Emotionen in einer mit Pathos überladenen und eigentlich nichtssagenden Phrase: "The truth has no agenda" , die Wahrheit hat kein Programm. Was immer das bedeutet.

So diffus Becks Redefluss erscheint, so beängstigend stringent ist er. Ständig macht Beck in seiner Sendung willkürliche, oft nur gefühlte inhaltliche Bezüge auf. Simple Feindbilder wiederholt er so lange, bis die Omnipräsenz dieser Klischees jede Beweisführung überflüssig macht. Beck vereinfacht so lange, bis jeder Vorfall, jeder politische Vorgang zur Waffe seiner Wut geworden ist. Eine Abwägung findet nicht statt, es bleibt eine Wahrheit der Gefühle. Im von Krisen geplagten Amerika ist dieses Gefühl oft: Hass.