Die internationalen Verhandlungen über das umstrittene iranische Atomprogramm sind erneut gescheitert. Großbritannien und Frankreich machten inakzeptable Vorbedingungen Irans dafür verantwortlich. Irans Chefunterhändler Said Dschalili beharrte auf dem Recht seines Landes, Uran anzureichern.

"Ich bin enttäuscht", sagte EU-Außenministerin Catherine Ashton, nachdem Vertreter der fünf UN-Vetomächte USA, China, Russland, Großbritannien, Frankreich sowie Deutschlands Iran bei den zweitägigen Gesprächen in Istanbul nicht zum Einlenken bewegen konnten. Iran habe sich nicht auf "detaillierte und konstruktive" Gespräche eingelassen, kritisierte Ashton, die die 5+1-Delegation anführte. Ein neuer Termin für weitere Gespräche wurde demnach nicht vereinbart.

Dschalili sagte dagegen, die internationale Gemeinschaft müsse das Recht Irans zur Urananreicherung anerkennen. Erst dann sei Teheran zu Verhandlungen bereit.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte, er hoffe auf neue Gespräche. Allerdings ließ er keine Neigung zu einer grundlegenden Kursänderung erkennen: Bei neuen Gesprächen könnten erst dann Ergebnisse erzielt werden, wenn die Verhandlungspartner Iran respektierten.

Der britische Außenminister William Hague erklärte in London, das Beharren Irans "auf Vorbedingungen, die eindeutig unrealistisch sind, ist äußerst enttäuschend". Die Tür für weitere Gespräche stehe offen, Iran müsse aber beweisen, dass er die internationalen Bedenken hinsichtlich seines Atomprogramms ernst nehme.

Die französische Außenministerin Michèle Alliot-Marie sagte während eines Besuchs in der jordanischen Hauptstadt Amman, es sei "sehr schnell zutage getreten, dass die iranische Seite Vorbedingungen stellte, die total unannehmbar waren". Dabei sei es um eine Aufhebung der Sanktionen gegen Iran und die Anerkennung seines Rechts auf Urananreicherung gegangen.

Ein hochrangiger US-Diplomat, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte in Istanbul: "Wir glauben weiter, dass die Zeit und der Raum für Diplomatie da sind", sagte er in Istanbul. Zugleich hob er hervor, dass die 5+1-Gruppe in Istanbul "geeinter als je zuvor" gewesen sei.