Ihre Ausgangspositionen für die Begegnung in der Türkei haben beide Seiten längst abgesteckt. Für Iran, so sein Präsident, sei  eine Einschränkung seiner atomaren Anstrengungen inakzeptabel. Also nichts Neues. Neu ist auch nicht die Drohung der westlichen Regierungen, in diesem Fall weitere Sanktionen zu verhängen. Das reicht für den Austausch von Beschuldigungen und als Alibi, der jeweils anderen  Seite das absehbare Scheitern in die Schuhe zu schieben. Als Grundlage für die Verhandlungen Irans am Freitag mit der internationalen Staatengemeinschaft in Istanbul ist es unbrauchbar.

Dass die iranische Seite nicht in Verhandlungslaune ist, kann man ihr nachempfinden. Ihre Atomanlagen sind Ziel feindlicher Computer-Attacken, ihre Atomforscher, zuletzt im vergangenen November, Ziel feindlicher Attentate, ihre Wirtschaft Ziel westlicher Sanktionen, und das einzige Verhandlungsziel ihrer Gegenüber ist  eine iranische Vorleistung. Warum sollte Teheran einlenken? Aus Angst vor weiteren Sanktionen und weiterem Druck kaum. Die Islamische Republik hat schon ganz anderem Druck widerstanden.

Da würde man meinen, der Westen, der doch von Iran die Einschränkung seiner atomaren Vorhaben erreichen will, würde einen positiven Anreiz dafür bieten. Aber weit gefehlt. Die Vereinigten Staaten, Wortführer der westlichen Gruppe, zu der neben Frankreich und England auch Deutschland gehören, wollen eine Kapitulation Irans in der Atomfrage, sonst nichts: Die Anreicherung soll gestoppt werden.

Die Obama-Regierung tat zwar in ihren ersten Amtsmonaten so, als suche sie ein neues Verhältnis zur Islamischen Republik und wolle nicht nur das Nuklearproblem, sondern die Gesamtheit der Beziehungen in den Dialog einbringen. Aber inzwischen ist, auch Dank Wikileaks, offenkundig, dass dies nur ein taktisches Manöver war, um die internationale Koalition gegen Teheran wirksamer zu mobilisieren.

Statt mögliche gemeinsame Interessen mit Iran zu erkunden, bleiben die USA auf die Atomfrage fixiert und setzen allein auf möglichst großen Sanktionsdruck, unter dem gedankenlosen Beifall der europäischen Kanzleien. Eben hat Außenministerin Clinton dies sogar bei ihren Reden in den Golf-Staaten noch als Erfolg gefeiert: die Sanktionen hätten das iranische Atomprogramm bereits verlangsamt. Deshalb: mehr davon, wenn Iran in Istanbul nicht einlenkt.

Ob die Verlangsamung allerdings das Ergebnis von Wirtschaftssanktionen ist, kann bezweifelt werden. Wenn das Produktionstempo in den iranischen Anreicherungsanlagen seit einiger Zeit nachgelassen hat, liegt dies neben allen möglichen technischen Unzulänglichkeiten eher an den Störaktionen durch eingeschleuste Computer-Schädlinge. Der israelische Geheimdient Mossad, der sonst regelmäßig eine einsatzfähige iranische Atomwaffe für die nächste Zukunft herbeianalysierte, rechnet nun allenfalls ab 2015 damit, wie sein Anfang Januar aus dem Amt scheidender Chef  Meir Dagan gerade bestätigt hat.