Die irischen Grünen haben beschlossen, das Bündnis mit der konservativen Fianna-Fail-Partei des Premiers Brian Cowen zu verlassen. Damit hat der Regierungschef im Parlament keine Mehrheit mehr. Gormley sagte, vorgezogene Parlamentswahlen seien "absolut notwendig". Cowen hatte diese bislang für den 11. März angesetzt. Dieser Termin dürfte allerdings kaum mehr zu halten sein.

Gormley sagte, die sechs Abgeordneten seiner Partei würden sich in der Opposition "verantwortungsvoll" verhalten und beispielsweise von den Oppositionsrängen aus für das umstrittene neue Finanzgesetz stimmen. Das Gesetz ist Teil eines drakonischen Sparhaushalts und soll vom Parlament noch vor dessen Auflösung durchgebracht werden. Der Parlamentsauflösung müssen nach irischen Recht wiederum innerhalb drei Wochen vorgezogene Neuwahlen folgen.

Nach der schweren Banken- und Finanzkrise war der Rückhalt Cowens seitens der Bevölkerung auf ein Rekordtief gesunken. Wählerumfragen sagen voraus, dass seine Fianna-Fail-Partei bei der kommenden Wahl die Hälfte ihre Sitze verlieren werde. Sie ist laut jüngsten Meinungsumfragen auf acht Prozent abgerutscht. Die oppositionelle Labour und die Mittel-Links-Partei Fine-Gael werden derzeit stärker eingeschätzt.

Hauptkritikpunkt ist Cowens Management der Haushaltskrise. Der Regierungschef hatte sich lange geweigert, internationale Hilfen anzunehmen. Im November des vergangenen Jahres flüchtete das hoch verschuldete Irland dann aber doch unter den Rettungsschirm von EU und Internationalem Währungsfonds. Als Gegenleistung für die milliardenschweren Hilfen muss das Land sein Defizit mit einem rigiden Sparkurs bis 2015 wieder unter die Maastricht-Grenze drücken. Allein im laufenden Jahr muss die Regierung ihre Ausgaben um sechs Milliarden Euro kürzen. Das Staatsdefizit liegt bei 32 Prozent, der Schuldenberg ist auf weit mehr als 160 Milliarden Euro gewachsen. Wöchentlich fliehen tausend Menschen von der grünen Insel, um Arbeitslosigkeit und Armut zu entgehen, ermittelte das Wirtschaftsforschungsinstitut ESRI erst vor wenigen Tagen.

Ein Misstrauensvotum, initiiert von Außenminister Micheal Martin, hatte der Premier am vergangenen Dienstag noch überstanden. Daraufhin reichte Martin seinen Rücktritt ein, fünf weitere Minister boten ebenfalls an, von ihren Ämtern zurückzutreten. Am Samstag war Cowen dann gezwungen, vom Vorsitz seiner konservativen Fianna-Fail-Partei zurückzutreten. Zugleich bekräftigte er, bis zu den Wahlen Premierminister bleiben zu wollen. Die Opposition sprach von einer "Farce". Es sei "schlicht nicht vertretbar", dass Cowen im Amt bleibe, sagte der Vorsitzender der Labour-Partei, Eamon Gilmore. Die Trennung beider Ämter ist in Irland ungewöhnlich.

Wer Cowen nachfolgen wird, ist noch völlig unklar. Innerhalb der Fianna-Fail-Partei zeichnet sich Cowens Kontrahent Micheal Martin als Favorit ab. Parteivize O'Flynn und andere legten sich bereits am Samstag auf den früheren Außenminister fest. Wer immer die Parteiführung übernimmt, er wird sein Amt höchstwahrscheinlich als Chef der Opposition beginnen.