Der irische Premierminister Brian Cowen hat nach insgesamt sechs Rücktritten von Ministern die Aufgaben in seinem Kabinett umverteilt. Das Gesundheitsministerium wurde neu besetzt. Die Ministerien für Justiz, Transport, Wirtschaft und Verteidigung werden nun von anderen Ministern übernommen. Das Außenministerium will Cowen selbst leiten.

Das Kabinett in Dublin hatte innerhalb weniger Tage gut ein Viertel seiner Minister verloren. Nach dem Rücktritt von Außenminister Micheal Martin boten fünf weitere Minister ihren Amtsverzicht an. Außenminister Martin war nach einer parteiinternen Misstrauensabstimmung gegen Cowen zurückgetreten, bei der sich die Mehrheit der konservativen Fianna-Fail-Abgeordneten hinter den Regierungschef gestellt hatte. Martin hatte Cowen zuvor kritisiert und eine neue Parteiführung gefordert. Cowen zog mit der Vertrauensfrage die Konsequenz aus der Kritik an seinem Krisenmanagement. Besonders für den Antrag auf internationale Hilfen in der Bankenkrise wurde Cowen innerparteilich kritisiert.

Am 11. März soll es Neuwahlen geben. Der Koalition der Fianna-Fail-Partei und der irischen Grünen werden nur geringe Chancen auf eine Wiederwahl eingeräumt. Eine Mehrheit der Iren ist erbost über den desolaten Staatshaushalt und die Annahme der EU-Hilfen aus dem Rettungspaket.

Der Grünen-Abgeordnete Paul Gogarty hatte bis zuletzt gehofft, dass Cowen die Rücktrittsgesuche nicht annehmen werde. Eine Umbildung des Kabinetts sei nicht im Interesse des Landes, sondern nur der Partei, die auf eine Wiederwahl hoffe, sagte Gogarty.

Der Vorsitzende der oppositionellen Fine-Gael-Partei Enda Kenny nannte die Umbildungen eine "Scharade". Er warf Cowen vor, eine Strategie der Machterhaltung zu verfolgen und forderte seinen sofortigen Rücktritt.