Es ist ein symbolträchtiges Bauvorhaben: Ein jüdischer Investor aus den USA will im arabischen Teil von Jerusalem anstelle des früheren Shepherd-Hotels Luxuswohnungen für Siedler errichten. Vorübergehend mussten die Bagger ihre Abrissarbeiten einstellen, ein Gericht in Jerusalem hob den vorübergehenden Baustopp nun jedoch wieder auf. Der Anwalt der prominenten palästinensischen Husseini-Familie, die das Hotel samt Grundstück beansprucht, kündigte daraufhin an, dass er jetzt vor dem Obersten Gerichtshof den Verkauf der Immobilie an den Millionär Irwin Moskowitz anfechten werde.

Das Shepherd-Hotel gehörte während der britischen Mandatszeit in Palästina dem damaligen Mufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini. Im Zuge des Sechstagekriegs von 1967 ging das Hotel an Israel. Moskowitz kaufte das leer stehende Gebäude im Jahre 1985. 2009 erhielt der Geschäftsmann eine Genehmigung von der Stadtverwaltung, auf der Anlage einen Wohnkomplex mit etwa 20 Einheiten zu bauen. Ein historischer Teil des Gebäudes, der von dem Mufti gebaut worden war, soll nicht zerstört werden, weil er unter Denkmalschutz steht.

Der Abriss des Hotels hatte international empörte Reaktionen ausgelöst. "Wir sind sehr besorgt über den Beginn des Abrisses des Shepherd-Hotels in Ostjerusalem", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton. "Diese beunruhigende Entwicklung untergräbt die Friedensbemühungen zur Erlangung einer Zwei-Staaten-Lösung." Zudem widerspreche der Abriss der Logik eines vernünftigen Abkommens über den künftigen Status von Jerusalem zwischen beiden Seiten.

Auch die EU wandte sich mit scharfen Worten gegen den Abriss des Hotels. Die Außenbeauftragte Catherine Ashton erinnerte daran, dass die Siedlungen in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten nach internationalem Recht illegal sind. Sie "untergraben das Vertrauen zwischen den Parteien und sind ein Hindernis für den Frieden". Der Sprecher der Palästinensischen Autonomiebehörde, Nabil Abu Rudeina, sagte, die Abrissarbeiten hätten "jede Chance ruiniert", die Friedensverhandlungen mit Israel wieder aufzunehmen.

Der Siedlungsbau ist eines der größten Hindernisse für den Nahost-Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern. Die israelische Regierung teilte mit, sie habe mit dem Abriss des Shepherd-Hotels nichts zu tun. Allerdings entspreche der Bau der Wohnungen dem israelischen Recht, hieß es in einer Stellungnahme von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. "Man sollte nicht von dem Staat Israel erwarten, dass er Juden daran hindert, Privatbesitz in Jerusalem zu kaufen", sagte Netanjahu. Arabische Einwohner Jerusalems könnten in jüdischen Vierteln Häuser kaufen oder mieten. Ebenso könnten Juden in überwiegend arabischen Vierteln Häuser kaufen oder mieten.