Der im Umfragetief steckende japanische Regierungschef Naoto Kan hat sein Kabinett umgebildet. Er berief den früheren Finanzminister und bisherigen Oppositionspolitiker Kaoru Yosano zum Minister für die Wirtschafts- und Steuerpolitik. Zugleich wird der 72-jährige Politveteran zuständig sein für die geplante Steuerreform und die Sicherung der Sozialsysteme.

Yosano gilt als entschiedener Verfechter einer Erhöhung der Mehrwertsteuer um fünf Prozentpunkte. Angesichts der hohen Staatsverschuldung und der rasant überalternden Gesellschaft geraten Japans Sozialkassen unter zunehmenden Druck.

Indem er Yosano aus der Opposition in sein Lager holt, hofft der unter Druck stehende Premier, den Weg zu parteiübergreifenden Gesprächen über die Konsolidierung der Staatsfinanzen zu ebnen.

Denn die Regierung ist für die Verabschiedung des neuen Staatshaushalts auf die Kooperation der Opposition angewiesen, da sie ihre Mehrheit im Oberhaus des Parlaments verloren hat. Die neue Parlamentsperiode beginnt am 24. Januar.

Neuer Regierungssprecher wurde Yukio Edano. Dieser gilt als scharfer Kritiker von Kans größtem innerparteilichen Widersacher, Ex-Parteichef Ichiro Ozawa. Ozawa hatte im September erfolglos versucht, Kan als Premier abzulösen.