Der libanesische Präsident Michel Suleiman hat den früheren Ministerpräsidenten Nadschib Mikati zum neuen Regierungschef ernannt. Die pro-iranische Hisbollah hatte ihn vorgeschlagen.

Der Milliardär zeigte sich überzeugt, von 68 der 128 Mitglieder des Parlaments unterstützt zu werden. Ab Donnerstag will Mikati Gespräche zur Bildung einer neuen Regierung führen. Er reiche allen Parteien seine Hand und hoffe, so die Differenzen zu überbrücken, sagte Mikati nach seiner Ernennung. Seine Ernennung sei kein "Sieg eines Lagers gegen das andere", sondern ein Sieg der "Versöhnung". Nichts rechtfertige die Weigerung einer Partei, sich an einer zukünftigen Regierung zu beteiligen.

Anhänger des von der Hisbollah gestürzten Premiers Saad al-Hariri hatten zuvor gegen die Ernennung protestiert. Die Proteste konzentrierten sich vor allem auf die Hauptstadt Beirut und die nördliche Stadt Tripoli. "Wir lehnen es ab, Befehle von Hisbollah und ihren iranischen Führern zu empfangen", sagte der Parlamentsabgeordnete Mustafa Allusch, der zur Hariri-Fraktion gehört.

Auch die USA sehen die Entwicklung im Libanon mit Sorge. Washington befürchtet, dass Hisbollah nun größeren Einfluss bekommen wird.

Allerdings hat der 55-jährige Mikati wenig mit der radikalislamischen Organisation gemein. Der kommende Premier gilt als Technokrat und gemäßigter Politiker mit guten Kontakten zum großen Nachbarn Syrien und auch zu Saudi-Arabien. Die mit Iran verbundene Hisbollah unterstützte ihn vor allem, weil er Sunnit ist – eine Voraussetzung für den Posten – und weil er nicht offen gegen sie Stimmung machte.

Die Hisbollah und ihre Verbündeten hatten Hariris Regierung am 12. Januar gestürzt, weil dieser nicht bereit gewesen war, sich von einem UN-Tribunal zu distanzieren, das den Anschlags auf Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri aufklären möchte. Der Vater von Saad Hariri und 22 weitere Menschen waren 2005 in Beirut durch ein Bombenattentat ums Leben gekommen. Das Tribunal in Den Haag will angeblich mehrere Hisbollah-Mitglieder anklagen. Auch iranische Politiker und syrische Funktionäre sollen an dem Komplott beteiligt gewesen sein. Die Anklageschrift wird demnächst veröffentlicht.

Präsident Suleiman hatte Hariri gebeten, als Übergangsregierungschef so lange im Amt zu bleiben bis die Bildung einer neuen Regierung abgeschlossen ist. Hariri und Mikati sind beide Sunniten. Als Ministerpräsident darf im Libanon nur ein sunnitischer Muslim vereidigt werden. Der Präsident muss immer ein maronitischer Christ sein und der Parlamentspräsident ein Schiit.