Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew hat das Verfahren gegen den Kremlgegner und ehemaligen Ölmanager Michail Chodorkowskij erstmals öffentlich verteidigt. "Die Anklagebehörde hat das Recht, zusätzliche Vorwürfe gegen diejenigen zu erheben, die im Gefängnis sitzen", sagte Medwedjew in einem Interview mit dem Fernsehsender Bloomberg TV.

Bisher hatte sich Medwedjew mit Kommentaren zu Chodorkowskij auffallend zurückgehalten. Medwedjew warnte am Rande des Weltwirtschaftsgipfels im schweizerischen Davos zudem, dass Investoren bei Verstößen gegen russische Gesetze ein ähnliches Schicksal wie Chodorkowskij drohe.

Ein Gericht in Moskau hatte den einst reichsten Mann Russlands und seinen Geschäftspartner Platon Lebedjew Ende Dezember zu 14 Jahren Haft verurteilt. Sie sollen 218 Millionen Tonnen Öl abgezweigt und illegal weiterverkauft haben. In einem ersten Prozess wegen Betrugs und Steuerhinterziehung waren sie bereits zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt worden, die im kommenden Jahr abgelaufen wäre. Da die bereits verbüßte Haftstrafe angerechnet wird, müssen sie voraussichtlich bis 2017 in Haft bleiben. Die beiden Inhaftierten legten daraufhin Berufung ein.

Russische Medien spekulieren auch über einen möglichen dritten Prozess gegen Chodorkowskij. Weil das international kritisierte jüngste Urteil noch nicht rechtskräftig ist, hatte der Kreml vor voreiligen Schlüssen gewarnt. Medwedjew Berater Arkadi Dworkowitsch hatte kurz vor dem Davos-Forum Bedenken geäußert, dass das zweite Urteil Investoren abschrecken könnte. Die Anschuldigungen gegen Chodorkowskij gelten als politisch motiviert. Russlands bekanntester Häftling hat den Ruf, der schärfste Gegner des Regierungschefs Wladimir Putin zu sein.