Der ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman ist als Vize-Präsident des Landes vereidigt worden. Damit hat Staatschef Hosni Mubarak erstmals seit seinem Amtsantritt im Jahr 1981 einen Stellvertreter, berichteten staatliche Medien. Suleiman steht seit rund zwei Jahrzehnten an der Spitze des mächtigen Geheimdienstes in Ägypten. Zum neuen Ministerpräsidenten ist Ahmad Schafik ernannt worden. Das berichtete das ägyptische Staatsfernsehen am Abend. Schafik, der von der Luftwaffe kommt, war früher schon einmal als möglicher Regierungschef im Gespräch gewesen.

Zuvor hatte Mubarak alle Minister seines Kabinetts unter Ministerpräsident Ahmed Nasif entlassen. Doch auch die Regierungsumbildung und die Ankündigung von politischen Reformen während einer Fernsehansprache haben die Demonstranten nicht beruhigt. Tausende Menschen zogen den Tag über trotz Ausgangssperre in Kairo und Alexandria durch die Straßen. In Alexandria kam es am Nachmittag erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen. Die Polizei setzte dabei Tränengas und angeblich auch scharfe Munition ein. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo skandierte die Menge an die Adresse Mubaraks gerichtet: "Hau ab, hau ab!" Einer der Demonstranten sagte: "Großer Gott, es ging nie um die Regierung. Du bist es (Mubarak), der gehen muss." Gleichzeitig pochten die Menschen auf einen gewaltlosen Wechsel: "Friedlich, friedlich", riefen sie.

Indes kehrte der Generalstabschef der ägyptischen Armee, Sami Anan, in das Land zurück. Er sei auf dem Flughafen von Kairo gelandet, hieß es von Mitarbeitern des Airports. Anan hatte sich in den vergangenen Tagen zu militärischen Gesprächen in den USA aufgehalten und kürzte seinen Aufenthalt angesichts der tagelangen Proteste nun ab.

Die ägyptische Armee soll derzeit vor allem die seit Freitag geltenden nächtlichen Ausgangssperren in Kairo, Alexandria und Suez überwachen. Die Proteste in Ägypten waren am Freitag eskaliert. Nach US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel rief auch das Regime in Teheran die ägyptischen Sicherheitskräfte und die Demonstranten zur Gewaltlosigkeit auf. Iran bezeichnete die Proteste als "Welle des islamischen Erwachens". Der erzkonservative iranische Ajatollah Ahmad Chatami hatte beim Freitagsgebet gesagt, "die politische Achse des neuen Nahen Ostens wird bald die islamische Führerschaft und eine Demokratie sein, die auf Religion basiert". Und: "All die Proteste in Ägypten, Tunesien, Jordanien und Jemen sind durch die iranische islamische Revolution inspiriert."

Israels Vize-Ministerpräsident Mosche Jaalon warnte davor, dass Islamisten die Macht übernehmen könnten, wenn in den arabischen Ländern Diktatoren gestürzt werden. "Demokratie findet nicht zwingend an der Wahlurne statt", sagte der Politiker in einem Interview dem Nachrichtenmagazin Focus. "Islamisten missbrauchen die demokratischen Regeln, um an die Macht zu gelangen. Dann installieren sie sofort ihre theokratisch-despotischen Regime."