In der Regierungskrise der Elfenbeinküste wird ein militärisches Einschreiten immer wahrscheinlicher. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) brauche die "eindeutige Unterstützung" des Gremiums in Form einer "Resolution zur Billigung des Einsatzes von Gewalt", schrieb der nigerianische Außenminister Odein Ajumogobia in einem Beitrag für mehrere Zeitungen seines Landes. Ajumogobia warnte davor, dass die derzeitige politische Krise "unweigerlich zu Anarchie und Chaos" oder sogar "zu einem ausgewachsenen Bürgerkrieg" führen könne. Daher müsse dem international nicht anerkannten Präsidenten der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, "klargemacht werden", dass er "umgehend zurücktreten" müsse.

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan, der derzeit auch Ecowas-Vorsitzender ist, hatte in den vergangenen Wochen mehrfach mit einem militärischen Vorgehen gegen Gbagbo gedroht. Sein Außenminister Ajumogobia schrieb nun, neben einem Einmarsch von Truppen in die Elfenbeinküste sei auch eine Seeblockade denkbar.

Seit der Präsidentschaftswahl vom 28. November tobt in der Elfenbeinküste ein Machtkampf zwischen Gbagbo und dem international anerkannten Wahlgewinner Alassane Ouattara. Beide beanspruchen den Sieg für sich und haben sich als Präsidenten vereidigen lassen.

Derweil rief Ouattara, der sich am ivorischen Regierungssitz Abidjan in einem Hotel verschanzt hält, die Kakao- und Kaffeeproduzenten des Landes dazu auf, den Export beider Produkte einzustellen. Wer den Aufruf nicht befolge, werde als Unterstützer Gbagbos "betrachtet" und müsse mit "internationalen Sanktionen" rechnen, ließ er mitteilen. Sein Rivale Gbagbo ließ erklären, Ouattaras Aufruf werde "überhaupt keine Auswirkungen" haben, weil die Zoll-, Steuer- und Sicherheitsbehörden Gbagbo unterstützten.

Die Elfenbeinküste ist der weltgrößte Produzent und Exporteur von Kakao. Bei den weltweiten Kaffeeexporten nimmt sie den zwölften Platz ein. Nach offiziellen Angaben werden 20 Prozent des ivorischen Bruttoinlandsprodukts mit der Herstellung und dem Vertrieb der beiden Produkte erwirtschaftet. Die meisten Plantagen liegen in Landesteilen, die von Gbagbo kontrolliert werden.