Marder stehen neben Dingos, Füchse neben einem Yak. Im Innenhof des Polizeihauptquartiers (PHQ) in Chahar Darreh parken die wuchtigen Militärfahrzeuge dicht an dicht. Die gepanzerten Fahrzeuge und Panzer sind schlammverschmiert. Ständig fahren die Soldaten in den vergangenen Tagen mit ihren Fahrzeugen, die das deutsche Heer traditionell nach Wildtieren benennt, hinaus in Gebiete, die sie vor einem halben Jahr noch nicht betreten konnten. Die Aufständischen in Nordafghanistan haben an Boden verloren – und das nicht nur umgangssprachlich.

Vom PHQ aus rücken die die deutschen Infanteristen, Pioniere und Aufklärer des Ausbildungs- und Schutzbataillons zu Offensiven in Regionen aus, die bis vor Kurzem noch als "Indianerland" galten, in dem die Taliban herrschen. Damit ist es nun vorbei. Die Sicherheitslage sei so gut wie lange nicht mehr, sagen hochrangige Offiziere. Deutsche Diplomaten und Entwicklungshelfer sowie afghanische Offizielle bestätigen das.

Die Aufständischen sind aus Kundus und Baghlan in benachbarte Provinzen geflohen, oder sie haben ihre Waffen versteckt und sich unter die Zivilbevölkerung gemischt. "Im Frühjahr wird sich zeigen, ob die verbesserte Sicherheitslage Bestand hat", sagt ein hochrangiger deutscher Offizier, der nicht mit Namen genannt werden möchte. Nach Ende des Winters beginnen die Taliban und andere Aufständische traditionell ihre Offensiven. Doch dieses Mal könnte der Aufstand tatsächlich geschwächt sein, sagt der Bundeswehroffizier, der in Masar-i-Scharif stationiert ist.

Gründe dafür gebe es viele – der Offizier verweist auf das Nachbarland. In Pakistan haben Erdbeben und Hochwasser die Infrastruktur der Taliban und des Haqqani-Netzwerkes, einer radikalen Aufstandsgruppe, zerstört. "Dort gibt es kaum noch sichere Häuser für die ausländischen Kämpfer", sagt der Offizier. "In diesem Winter können sie nicht dorthin zurück." Ein weiterer Grund sei, dass die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) und auch die Deutschen in diesem Winter nicht mit Angriffen aufgehört haben.

Die neu aufgestellten Ausbildungs- und Schutzbataillone mit je 750 Soldaten in Masar-i-Scharif und Kundus hätten den Gegner zurückgedrängt, heißt es bei der Bundeswehr. Viel mehr Soldaten seien nun draußen. Außerdem habe sich die Ausstattung verbessert. Mit den drei Panzerhaubitzen stehe der Truppe nun Kampfunterstützung durch schwere Artillerie zur Verfügung. Gleichzeitig sei die Zahl der Schützenpanzer und geschützter Fahrzeuge deutlich erhöht worden.

Durch die ständigen Angriffe der Amerikaner mit Drohnen hätten die Aufständischen viele erfahrene Führer verloren, die sich nicht so schnell ersetzen ließen. Kämpfer, die wegen des Soldes und nicht aus ideologischen Gründen gegen die Isaf und die afghanische Regierung ins Feld zögen, seien verunsichert und scheuten zum Teil das hohe Risiko. Das gelte auch für die in Nordafghanistan lebenden Aufständischen, die nachts vor allen von amerikanischen Spezialkräften, aber auch vom deutschen Kommando Spezialkräfte (KSK) gejagt würden.

Während der Operation Halmazag griffen deutsche Fallschirm- und Gebirgsjäger gemeinsam mit Amerikanern und Afghanen einige Hochburgen der Taliban an. In mehreren Gefechten vertrieben oder töteten Isaf-Soldaten zahlreiche Aufständische. Auch Isa Khel wurde von der Isaf erobert. In dieser Ortschaft starben am Karfreitag 2010 drei deutsche Soldaten bei einem Sprengfallenanschlag. Kämpfer der Taliban posierten anschließend vor dem zerstörten Fahrzeug und ließen sich fotografieren, die Bilder gingen um die Welt. Auch das Fahrzeug wurde zurückerobert. Deutsche Soldaten stellten Ende vergangenen Jahres das Wrack des Dingos sicher, berichtet der Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Generalmajor Hans Werner Fritz, mit Genugtuung.