US-Präsident Barack Obama hat den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak persönlich zu Reformen aufgerufen. Das Gespräch zwischen beiden habe kurz nach Mubaraks Fernsehansprache stattgefunden, in welcher der Ägypter die Bildung einer neuen Regierung ankündigte und neue Schritte hin zu mehr Demokratie versprach. "Ich habe ihm gesagt, dass er die Verantwortung hat, seinen Worten eine Bedeutung zu geben", sagte Obama in Washington. Dem Versprechen müssten jetzt konkrete Schritte folgen. Dazu gehöre ein eingehender Dialog mit dem Volk.

Zudem forderte der US-Präsident Ägyptens Führung nachdrücklich auf, jegliche Gewalt gegen friedliche Demonstranten zu unterlassen. Das ägyptische Regime dürfe keine Soldaten gegen Demonstranten einsetzen, verlangte Obama in seiner Ansprache. Zudem müssten die Eingriffe ins Internet und in die Handynetze zurückgenommen werden. Die Protestierenden rief Obama dazu auf, friedlich zu bleiben. "Gewalt und Zerstörung werden nicht zu den Reformen führen, die sie suchen", sagte der Präsident.  

"Dieser Moment der Unbeständigkeit muss in einen Moment der Verheißung umgewandelt werden", sagte Obama weiter. Die USA würden das Volk in seinem Bestreben nach einer "fairen und gerechten und zugänglichen" Regierung unterstützen.

Dieser Moment der Unbeständigkeit muss in einen Moment der Verheißung umgewandelt werden.
US-Präsident Obama

Zuvor hatte Washington Einschnitte bei seiner milliardenschweren Hilfe für Kairo angedroht, sollten die ägyptischen Sicherheitskräfte nicht zum Gewaltverzicht aufgerufen werden. Die US-Regierung werde ihre Unterstützung unter die Lupe nehmen, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs. Man beobachte sehr genau die Schritte von Ägyptens Regierung, Polizei und Militär. Deren Verhalten könnte Einfluss auf künftige Zahlungen haben, darunter auch die Militärhilfe, erklärte der Sprecher. Das arabische Krisenland ist ein enger Verbündeter Washingtons.

Obama ließ sich am Freitag von seinen Top-Sicherheitsberatern über der Lage in Ägypten informieren. Die Unterredung im Oval Office, an der auch Vizepräsident Joe Biden und der Nationale Sicherheitsberater Tom Donilon teilnahmen, habe rund 40 Minuten gedauert, meldete Politico.com. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Das US-Außenministerium gab unterdessen wegen der Situation in Ägypten einen verschärften Reisehinweis heraus. US-Bürger wurden aufgerufen, nicht notwendige Reisen in das arabische Land zu verschieben. Die US-Fluggesellschaft Delta setzt unterdessen von Samstag an alle Flüge nach Ägypten aus.