Nach einem Jahr wachsender Spannungen haben die Präsidenten der USA und Chinas ihr Interesse an besseren Beziehungen bekundet. Die Zusammenarbeit beider Länder könne "den Wohlstand mehren und die Sicherheit stärken", sagte US-Präsident Barack Obama beim Empfang von Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao vor dem Weißen Haus. Hu äußerte die Hoffnung, dass sein Staatsbesuch "ein neues Kapitel in den Beziehungen" aufschlage.

Die Regierung gewährte Hu die höchsten protokollarischen Ehren: Am Dienstag empfing der US-Präsident den Gast aus China zu einem Abendessen in seinen Privaträumen, für Mittwochabend war ein Staatsbankett im Weißen Haus geplant.

Obama stellte in seiner Begrüßungsrede klar, dass die USA "den Aufstieg Chinas als starkes, wohlhabendes und erfolgreiches Mitglied der Nationengemeinschaft begrüßen". Selbst wenn die USA und China "in manchen Bereichen konkurrieren, können wir doch in so vielen anderen Bereichen kooperieren". Hus Besuch werde "das Fundament für die nächsten 30 Jahre" in den bilateralen Beziehungen legen.

KP-Parteichef Hu sagte, dass beide Länder "durch Kooperation beidseitigen Gewinn schaffen können". Die USA und China müssten "Zusammenarbeit und Abstimmung in internationalen Fragen verstärken, gemeinsam gegen globale Probleme vorgehen und einen größeren Beitrag zum Weltfrieden und zur Entwicklung leisten".

Die USA erhoffen sich von Hus Besuch einen Beitrag zur Vertrauensbildung in einem Verhältnis, das zunehmend von wirtschaftlicher und politischer Rivalität geprägt ist. Mehrere Streitthemen hatten das Verhältnis der beiden größten Volkswirtschaften im vergangenen Jahr schlechter werden lassen. So werfen die USA Peking eine Manipulation seiner Währung vor, um billig exportieren zu können. Für Unbehagen sorgt auch die militärische Aufrüstung Chinas.

Die Regierung in Peking ist dagegen über US-Waffengeschäfte mit Taiwan sowie den Empfang des Dalai Lama im Weißen Haus verägert. Auch die Menschenrechte zählen zu den Streitfragen. Experten sprechen von einem zunehmend selbstbewussten Auftreten Chinas auf der Weltbühne, mit dem das wirtschaftlich rasch expandierende Land seinen Anspruch auf Anerkennung als Großmacht unterstreiche.

Obama mahnte in allgemeiner Form die Achtung der Menschenrechte an: Länder entwickelten sich "harmonischer und erfolgreicher", wenn sie die "universellen Rechte jedes Menschen" respektierten. Nach Angaben des Weißen Hauses wollte der US-Präsident das Thema mit Hu hinter verschlossenen Türen ansprechen. Auf der abendlichen Pressekonferenz verteidigte Hu die Menschenrechtslage in seinem Land: China anerkenne und respektiere "die Universalität der Menschenrechte".

US-Außenministerin Hillary Clinton räumte ein, dass das Verhältnis der beiden Großmächte derzeit noch ungeklärt ist. Im Sender ABC wich sie der Antwort auf die Frage aus, ob beide Länder Freunde oder Gegner seien. Einer der Gründe für Hus Staatsbesuch sei, "dass wir diese Frage in Zukunft besser beantworten können", sagte sie. "Meine Hoffnung ist, dass wir eine normale Beziehung haben."