Somalische Piraten haben vor den Seychellen einen unter der Flagge von Antigua und Barbuda fahrenden Frachter der Bremer Beluga Reederei gekapert. An Bord des im Arabischen Meer aufgebrachten Schiffes seien zwölf Menschen gewesen.

Die Reederei bestätigte heute, dass es sich dabei um ein Schiff ihrer Flotte handelt. "Einzelheiten können wir derzeit aber noch nicht sagen", sagte die Reedereisprecherin Verena Beckhusen. Die Besatzung der Beluga Nomination ist international. Die meisten stammen aus der Ukraine, es seien aber auch Philippiner, Polen und Russen an Bord, teilte das ukrainische Außenministerium in Kiew mit. Das Handelsschiff ist 132 Meter lang und fährt unter der Flagge des Karibikstaates Antigua und Barbuda.

Die Seeräuber steuerten nun die somalische Küste an, teilte Beluga mit. Die Reederei beklagt sich über die ausbleibende militärische Hilfe. Den Piraten sei es gelungen, in den Sicherheitsraum auf dem Schiff einzudringen. Die Mannschaft sei in akuter Gefahr. In Bremen werde alles getan, um ein schnelles Ende der Kaperung herbeizuführen. Die Beluga Nomination wurde bereits am vergangenen Samstag im Indischen Ozean etwa 800 Seemeilen nördlich der Seychellen angegriffen – fernab der international definierten Hochrisikozone am Horn von Afrika.

Trotz eines Notrufs auch an die europäische Anti-Piraten-Mission Atalanta habe es keine Hilfe gegeben. "Wir sind zugegebenermaßen etwas irritiert. Wir können uns nicht erklären, warum innerhalb von zweieinhalb Tagen, in denen sich die Mannschaft im Sicherheitsraum versteckt hatte, keine Hilfe von außen angeboten werden konnte", sagte Niels Stolberg, der geschäftsführender Gesellschafter der Reederei.

Es ist nicht das erste Mal, dass Seeräuber ein Schiff aus der Beluga-Flotte kapern. Erst im vergangenen Herbst hatten Piraten das Frachtschiff Beluga Fortune eingenommen. Die Piraten hätten aufgegeben, nachdem sich ein Marineschiff der Anti-Piraten-Mission Atalanta nur wenige Stunden nach dem Piratenangriff längsseits der Beluga Fortune in Stellung gebracht hatte.

Der Übergriff ereignete sich am Montag genau zu der Zeit, als in Berlin Reedereivertreter und Gewerkschaften mit dem Koordinator für die maritime Wirtschaft, dem Staatssekretär Hans-Joachim Otto (FDP), zusammengekommen waren, um über einen besseren Schutz für die Schiffe vor Somalia zu sprechen. Allein im vergangenen Jahr wurden fast 1200 Seeleute von Piraten als Geiseln genommen, vor allem im Indischen Ozean – so viel wie nie zuvor.  Die deutschen Reeder hoffen auf stärkere Unterstützung durch die Bundesregierung.

In erster Linie seien die Schiffseigner für mehr Schutz an Bord verantwortlich, sagte Otto. Das sieht der Verband Deutscher Reeder (VDR) zwar auch so, jedoch verwies er darauf, dass inzwischen selbst "Sichere Zellen" – schwer zugängliche Schutzräume an Bord – von Piraten gewaltsam geöffnet wurden. Dies mache den akuten Handlungsbedarf deutlich. Die möglichen Schutzmaßnahmen, die die deutschen Reeder umgesetzt haben, kämen an ihre Grenzen, teilte der Verband mit. Derzeit sind nach Angaben der Bundesregierung international mehr als 30 Schiffe mit insgesamt über 500 Besatzungsmitgliedern in der Hand von Piraten.

Der VDR plädiert dafür, dass künftig bewaffnete Sicherheitskräfte an Bord besonders gefährdeter Schiffe mitreisen. Gemeinsam mit dem Verteidigungs- und dem Innenministerium werde nun geprüft, ob eine solche Begleitung möglich ist. Die Bundeswehr beteiligt sich mit mehreren hundert Soldaten an einem europäischen Anti-Piraten-Einsatz vor Afrika – im Rahmen des Atlanta-Mandats. Ein weiteres Treffen mit dem Maritimen Koordinator soll es noch vor der Sommerpause geben. Dieser sieht bisher keine Möglichkeit, Marinesoldaten der europäischen Mission Atalanta außerhalb dieses Mandats einzusetzen. Das Mandat solle keineswegs ausgeweitet werden, sagte Otto.

Auch der Wunsch nach Schutz etwa durch die Bundespolizei scheitere an grundsätzlichen verfassungsrechtlichen Bedenken, zumal die wenigsten Schiffe deutscher Reedereien unter deutscher Flagge führen, sagte der Otto. Er forderte die Reeder auf, dies zu ändern. Von 3500 Schiffen deutscher Eigner sind derzeit nur etwa 440 mit deutscher Flagge unterwegs. Im Übrigen wären für solche Einsätze der Bundespolizei erhebliche Finanzmittel nötig, sagte der Staatssekretär. Die Reeder haben angeboten, für zusätzlichen Schutz zu bezahlen.