Unter dem Eindruck der massiven Wirtschaftskrise haben die Bürger des hoch verschuldeten Portugal ihren bisherigen Präsidenten im Amt bestätigt. Nach vorläufigen amtlichen Ergebnissen sicherte sich der 71-jährige Amtsinhaber Anibal Cavaco Silva mit rund 53,3 Prozent auf Anhieb die notwendige absolute Mehrheit aller abgegebenen Stimmen. Beobachter werteten den Wahlausgang als heftigen Denkzettel für Ministerpräsident José Sócrates. "Wir können nicht zufrieden sein", räumte Sócrates ein.

Wie die Wahlbehörde CNE nach Schließung der letzten Wahllokale in Lissabon weiter mitteilte, landete der Sozialist Manuel Alegre (74) weit abgeschlagen auf Platz zwei. Der renommierte Schriftsteller erreichte nach Auszählung von mehr als 98 Prozent aller Stimmen gerade einmal 19,7 Prozent. Der Autor hatte bereits 2006 kandidiert, damals aber als Unabhängiger. Bei der jetzigen Wahl wurde er von der Sozialistischen Partei (PS) von Ministerpräsident José Sócrates unterstützt.

Beobachter erwarten, dass Cavaco Silva nach seiner Wiederwahl auf Konfrontationskurs zur sozialistischen Minderheitsregierung gehen wird. Im Wahlkampf hatte der frühere Regierungschef (1985-1995) die Politik von Ministerpräsident Sócrates mit ungewöhnlich drastischen Worten kritisiert. Die Situation des Landes sei "explosiv", warnte er. In seiner ersten Amtszeit im Palacio de Belém hatte sich der Politiker der konservativen Sozialdemokratischen PSD sehr gemäßigt präsentiert.

Bei den Sozialisten reiht sich unterdessen ein Debakel ans nächste. Schon bei der Wahl vor fünf Jahren hatte der sozialistische Kandidat Mário Soares keine Chance gegen Cavaco Silva gehabt. Bei der Parlamentswahl im Herbst 2009 verlor Sócrates die absolute Mehrheit und steht seither an der Spitze einer Minderheitsregierung. Diesmal sollte Alt-Linke Alegre bestenfalls 20 Prozent bekommen.

Der Präsident hat in Portugal eher eine repräsentative Funktion und wenig direkte Macht. Er hat aber beispielsweise das Recht, das Parlament aufzulösen und gilt als moralische Autorität.

Mehr als 9,6 Millionen Stimmberechtigte waren zur Wahl aufgerufen. Viele sind betroffen von der zunehmenden Arbeitslosigkeit und Verarmung angesichts der Wirtschaftskrise und des dritten Sparprogramms in einem Jahr. Wegen der weit verbreiteten Politikverdrossenheit wurde mit einer niedrigen Wahlbeteiligung gerechnet. Meinungsforschungsinstitute sagten eine Rekord-Enthaltung von mehr als 50 Prozent voraus.