Die dem britischen Guardian zugespielten Nato-Unterlagen tragen den Stempel der Nato-Kosovo-Schutztruppe KFor und sind als "geheim" eingestuft, berichtet die Zeitung. Sie datieren aus der Zeit um 2004. Bis zur offiziellen Erklärung der Unabhängigkeit von Serbien 2008 war das Kosovo Nato-Protektorat.

Der Europarat in Straßburg wollte sich am Dienstag mit dem Fall beschäftigen. Bereits im vergangenen Dezember hatte der Schweizer Parlamentarier Dick Marty einen Bericht vorgelegt, wonach Hashim Thaçi in den organisierten Handel mit menschlichen Organen verwickelt sein soll.

Der Enthüllung des Guardian zufolge ist Thaçi Teil eines kriminellen Triumvirats im Kosovo, dessen eigentlicher Kopf Xhavit Haliti ist. Haliti fungiert offiziell als Berater Thaçis. Eigentlich ist er aber – dem vertraulichen Material zufolge, zu dem mehrere westliche Geheimdienste beigetragen haben – Boss eines mafiösen Verbrecherkartells.

Er soll von einem Hotel in Pristina aus seine Strippen ziehen, stets mit einer 9-Millimeter-Pistole bewaffnet sein und sein Geld mit Drogenschmuggel, Prostitution, Waffen- und Menschenhandel verdienen. Mindestens zwei Morde sollen auf sein Konto gehen, darunter ein kritischer, junger Journalist.

Sowohl Haliti – der der Kosovo-Delegation bei der Europarat-Verhandlung in Straßburg angehören soll – als auch Thaçi haben die Vorwürfe, die im Marty-Report erhoben werden, zurückgewiesen. Sie seien falsch und politisch motiviert. In dem Bericht war Thaçi auch mit massivem Heroinhandel in Verbindung gebracht worden.