Nach den gewaltsamen Protesten gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit hat die tunesische Regierung alle Bildungseinrichtungen geschlossen. Von Dienstag an finde an Schulen und Universitäten kein Unterricht mehr statt, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Tap eine Erklärung des Bildungsministeriums. Die Entscheidung gelte bis auf weiteres. Während der Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften waren am Wochenende mindestens 14 Menschen getötet worden.

Die Trauerzüge für die Opfer der Unruhen schlugen am Montag in Gewalt um. Augenzeugen berichteten, in den Städten Gassrine und Rgeb habe die Polizei Warnschüsse abgegeben, um die Menschenmenge aufzulösen. Rgeb sei umstellt. Im gesamten Stadtgebiet seien 2000 Menschen in Auseinandersetzungen mit Polizisten verwickelt. "Die Polizei setzt Tränengas ein und hat das Feuer eröffnet", sagte ein Bewohner, der sich als Augenzeuge bezeichnete. Berichte über Tote und Verletzte lagen zunächst nicht vor. Tunesische Behörden waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Präsident Zine al-Abidine Ben Ali warf den Demonstranten in einer Fernsehansprache unterdessen terroristische Handlungen vor. Die Auseinandersetzungen seien das Werk maskierter Banden, die nächtens Regierungsgebäude und Privathäuser angegriffen hätten. Die USA und die EU äußerten sich besorgt über die Eskalation und riefen zur Mäßigung auf. Das tunesische Außenministerium bestellte deshalb den amerikanischen Botschafter ein.

Auch im Nachbarland Algerien hatte es in den vergangenen Tagen Krawalle gegeben. Hier entzündeten sich die Proteste vor allem an den hohen Lebensmittelpreisen.