In Tunesien und Algerien haben sich die sozialen Unruhen am Wochenende verschärft. Nach Angaben eines Oppositionspolitikers wurden in zwei Orten im Zentrum Tunesiens seit Samstag mindestens 20 Menschen getötet. Das Innenministerium und die amtliche Nachrichtenagentur Tap sprachen dagegen von 14 Toten. Die Opfer seien mit Benzinbomben, Steinen und Stöcken bewaffnet gewesen und hätten öffentliches Eigentum angegriffen.

Während die Proteste in Tunesien sich vor allem gegen die hohe Arbeitslosigkeit richten, waren im benachbarten Algerien hohe Lebensmittelpreise der Auslöser. Dort kamen nach einer ersten offiziellen Bilanz bislang drei Menschen ums Leben, etwa 400 weitere wurden verletzt.

"Man hat sogar auf Leichenzüge geschossen", sagte Ahmed Nejib Chebbi von der tunesischen Oppositionspartei PDP. In der Stadt Tala war es zu heftigen Ausschreitungen gekommen, mehrere Gebäude wurden verwüstet. Nach Augenzeugenberichten war erstmals auch die Armee im Einsatz, um die Unruhen einzudämmen. Dafür gab es bislang keine Bestätigung. Menschenrechtsorganisationen werfen der tunesischen Regierung von Präsident Ben Ali Zensur und hartes Vorgehen gegen Journalisten vor.

Zudem wurden drei weitere Fälle öffentlicher Selbstverbrennungen in Tunesien bekannt. Ein 17-jähriger Schüler aus Ariana in der Nähe von Tunis sei an seinen Verletzungen gestorben, sagte ein Vertreter der Lehrergewerkschaft. Der Junge habe einen Schülerprotest organisiert und sei vom Direktor in dessen Büro zitiert worden. Dort habe er sich mit einem Lösungsmittel übergossen und angezündet.

In Kasserine habe sich ein ebenfalls 17-jähriger, arbeitsloser Jugendlicher mit Benzin übergossen und in Flammen gesetzt. Passanten retteten ihn jedoch. In Sidi Bouzid, wo die Selbstverbrennung eines arbeitslosen Hochschulabsolventen Mitte Dezember zum Auslöser der Unruhen wurde, steckte sich ein 50-Jähriger in Brand. Er erlitt nur leichte Verletzungen.

Unterdessen kündigte die Regierung in Algerien deutliche Preissenkungen für Lebensmittel an. So sollen Einfuhrzölle und Steuern für Zucker und Speiseöl zeitweise gesenkt werden. Dadurch würden die Preise um 41 Prozent reduziert. Die Regierung erklärte weiter, sie sei entschlossen einzugreifen, "um die Kaufkraft der Bürger angesichts von Preiserhöhungen zu erhalten". Die Behörden wollen den örtlichen Märkten in den kommenden Monaten jeweils 18 Prozent mehr Weizen zuteilen. Die gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel wie Zucker und Speiseöl waren Auslöser der Unruhen, die sich in zahlreichen Orten des Landes ausgebreitet haben.

Am Sonntag kam es erneut zu Ausschreitungen im algerischen Küstenort Bouira. Demonstranten griffen unter anderem eine Polizeiwache an. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. In Tizi Ouzou im Osten des Landes verwüsteten Demonstranten mehrere Gebäude von Banken und Versicherungen.