Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) unterzeichnete in Kabul ein Abkommen, mit dem die Bundesregierung auf Forderungen in Höhe von 17 Millionen Dollar (13,1 Millionen Euro) verzichtet. Dies sei ein "Beitrag zur wirtschaftlichen und politischen Stabilisierung des Landes", sagte Westerwelle. Er setzt damit eine Erklärung des Pariser Club der Gläubigerstaaten um, der im Frühjahr 2010 beschlossen hatte, dass seine 19 Mitglieder auf die Rückzahlung afghanischer Schulden in Höhe von insgesamt gut einer Milliarde Dollar verzichten würden.

Westerwelle traf in Kabul mit dem afghanischen Außenminister Zalmay Rassoul zusammen. Zuvor hatte er das Nachbarland Pakistan besucht. Er sprach sich für einen Dialog zwischen den verschiedenen politischen Kräften in Afghanistan aus. Ziel müssten jetzt Reintegration und Aussöhnung sein. Westerwelle ging nicht näher darauf ein, in welcher Form die radikal-islamischen Taliban-Milizen einbezogen werden sollen. Deutschland unterstützt bereits seit längerer Zeit die Wiedereingliederung ehemaliger Kämpfer. Die afghanische Regierung ermahnte er zu größeren Anstrengungen im Kampf gegen die Korruption. Dies war Westerwelles dritte Afghanistan-Reise seit der Ernennung zum Außenminister vor 15 Monaten.

Thema der Gespräche war auch das neue Afghanistan-Mandat für die Bundeswehr, das noch in diesem Monat verabschiedet werden soll. Eine Mehrheit gilt als sicher. Im neuen Mandat wird das Jahresende 2011 als Termin für den Beginn des Abzugs der ersten deutschen Soldaten genannt – allerdings mit der Einschränkung "soweit die Lage dies erlaubt". Wörtlich heißt es darin: "Die Bundesregierung ist zuversichtlich, im Zuge der Übergabe der Sicherheitsverantwortung die Präsenz der Bundeswehr ab Ende 2011 reduzieren zu können." Die vage Ausstiegsformel ist Ergebnis eines Kompromisses zwischen Westerwelle, der einen Abzug bereits für Ende 2011 favorisiert, und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der sich in dieser Frage noch nicht festlegen will.

Insgesamt sind in Afghanistan noch 150.000 internationale Soldaten stationiert. Seit Beginn des neuen Jahres leitet Deutschland auch im UN-Sicherheitsrat die Koordination der Afghanistan-Beratungen. Zudem führt die Bundesrepublik als neues nicht-ständiges Mitglied den Vorsitz im al-Qaida/Taliban-Sanktionsausschuss, der über Strafmaßnahmen gegen Extremisten entscheidet.

Angesichts der beginnenden Übergabe der Sicherheitsverantwortung an einheimische Kräfte bezeichnete Westerwelle 2011 als "entscheidendes Jahr" für Afghanistan. Die internationale Gemeinschaft habe sich auf einen klaren Fahrplan für die Übergabe verständigt, die Ende 2014 abgeschlossen sein soll. "So ist es zwischen unseren Regierungen beschlossen worden, so werden wir es auch in diesem Monat dem Bundestag vorschlagen", sagte Westerwelle mit Blick auf die Verlängerung des Afghanistan-Mandats der Bundeswehr.