Weltweit haben Hunderte Menschenrechtsaktivisten, ausländische Regierungsbeamte und Geschäftsleute Warnungen des US-Außenministeriums erhalten. Sie hatten den US-Botschaften in den jeweiligen Ländern Informationen zugeliefert und könnten durch die von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichten Botschafts-Depeschen identifiziert werden. Das teilte das US-Außenministerium mit, weitere Details gab die Behörde nicht bekannt.

Einem Bericht der New York Times zufolge wurden jedoch einige der Informanten an sichere Orte innerhalb ihrer Heimatländer gebracht, andere wurden außer Landes gebracht.

Der US-Regierung zufolge sind zwar noch keine Fälle bekannt, in denen Informanten der angegriffen oder verhaftet wurden. Da viele Dissidenten allerdings unter ständigem Druck ihrer Regierung stehen, sei nicht sicher, ob Taten gegen sie nicht doch auf die Veröffentlichungen durch Wikileaks zurückzuführen seien.

Passagen, die Rückschlüsse auf die Identität der Informanten zulassen, wurden von den Medien geschwärzt, die an der Veröffentlichung der Geheimdokumente beteiligt waren. Das Außenministerium sorgt sich aber wegen der Dokumente, die noch veröffentlicht werden sollen. Insgesamt handelt es sich um etwa 250.000 Botschaftsdepeschen, bisher wurde nur ein Teil von ihnen im Internet oder in Zeitungen veröffentlicht.

Die Informanten zu schützen, deren Identität durch die Botschaftsdepeschen erkennbar ist, wird dem US-Außenministerium zufolge eine komplexe und langwierige Angelegenheit. Ein Team von 30 Personen sichtet  Dokumente und leitet sie zur Prüfung an die Botschaften weiter und warnt die jeweiligen Informanten. Ein Großteil der Botschaftskabel seien inzwischen gesichtet, teilte das Außenministerium mit.

"Wir sind in der Verantwortung alles mögliche zu tun, um diese Menschen zu schützen", sagte Michael H. Posner, der Ministerialdirektor für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit. Nach Einschätzungen der Regierung hat die Veröffentlichung der diplomatischen Geheimdokumente zu einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen Menschenrechtsaktivisten und US-Diplomaten geführt.

Konsequenzen für die Diplomaten hat es nach ihren Berichten über ihre Gastländer und deren politischen Führung jedoch kaum gegeben. Der Botschafter in Libyen wurde nach Washington zurück berufen, nachdem er intime Details aus dem Privatleben von Staatschef Muammar al-Gadhafi beschrieben hatte. Nach einem Bericht der New York Times ist es unwahrscheinlich, dass er noch mal in Tripolis eingesetzt wird. Der Botschafter in Russland, der sich in den Depeschen kritisch über den Premierminister Wladimir Putin geäußert hatte, wird voraussichtlich in Russland bleiben können.