Ägyptens Politik wird seit Jahrzehnten fast vollständig von Präsident Hosni Mubarak und seinem Apparat dominiert. Oppositionsparteien hatten kaum Chancen, Strukturen zu entwickeln, Anhänger zu sammeln und sich bekannt zu machen. Deshalb ist noch offen, welche Akteure in der ägyptischen Politik künftig eine Rolle spielen könnten – vorausgesetzt natürlich, Mubaraks Klientelsystem wird tatsächlich abgelöst.

Die besten Chancen, Ägyptens Wandel entscheidend mitzugestalten, haben die folgenden Politiker, Wissenschaftler, Schriftsteller und Unternehmer:

Mohamed ElBaradei, der Nobelpreisträger

Mohamed ElBaradei war bis vor rund einem Jahr Generalinspektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), für seine Arbeit bekam er 2005 den Friedensnobelpreis. Als er im vergangenen Jahr nach Ägypten zurückkehrte, begann er, sich für einen Politikwandel einzusetzen. Er rief die "Nationale Bewegung für Veränderung" ins Leben, ein loser Zusammenschluss zahlreicher Oppositionsbewegungen. ElBaradeis Vorteil ist, nie Teil des politischen Systems gewesen zu sein, weder Profiteur von Mubaraks Günstlingspolitik, noch verbraucht und gebrochen durch Gängelungen und Gefängnisaufenthalte wie viele Oppositionspolitiker. Zudem genießt der 68-Jährige international einen tadellosen Ruf. Die meisten Ägypter jedoch begegnen dem Top-Diplomaten mit Skepsis. Er habe viel zu lange im Ausland gelebt und kenne die Probleme seiner Landsleute nicht richtig, kritisieren sie. Ob er als Übergangspräsident zur Verfügung stehe oder für das Amt des Präsidenten kandidieren wolle, ließ er bislang offen. Er werde alles tun, um sein Land zu retten, sagte er nur. Bei einer Neugestaltung Ägyptens wird er mit ziemlicher Sicherheit eine bedeutende Rolle spielen, zu groß sind seine Erfahrung und sein internationales Ansehen.