"Das Militär und wir sind eins", skandierten die Demonstranten. Andere schlafen inzwischen jede Nacht vor den Panzern, damit die Kettenfahrzeuge nicht vom Tahrir-Platz abgezogen werden können. Als die Armeeführung Anfang vergangener Woche durch ihren Sprecher verkünden ließ, die Anliegen des "großen ägyptischen Volkes" seien legitim und man werde nicht schießen , atmete die Menge auf dem Platz der Befreiung erst einmal auf.

Dennoch blieben Zweifel – an der Haltung der Armee, vor allem aber an der Haltung ihrer Generalität in diesem Ringen des Volkes mit seinem Regime. Am vorvergangenen Sonntag ließ die Luftwaffe mehrere Minuten Kampfjets über die Menschen auf dem Tahrir-Platz hinwegdonnern – offensichtlich zur Einschüchterung. Außerdem ist inzwischen ein Video aufgetaucht , das einen Demonstranten zeigt, der mit einem grünen Laserstrahl anvisiert wird. Kurz darauf sieht man Helfer geduckt und in Panik zwei leblose Körper aus dem Schussfeld schleifen. Sicher ist es nicht, dass ein Soldat die Schüsse abgab, möglich schon. Auch ließen es die Kommandeure am vergangenen Mittwoch zu, dass die Pro-Mubarak-Horden zu Pferd und zu Kamel das friedliche Lager der Regimegegner in ein blutiges Schlachtfeld verwandelten.

Seit dem Sturz der Monarchie 1952 ist Ägyptens Armee das Rückgrat der Macht. Alle Präsidenten kamen aus ihren Rängen. Auch wenn sich die Streitkräfte stets geheimnisvoll und verschwiegen geben, sie sind keineswegs ein monolithischer Block. Unter den Offizieren der mittleren Ränge gärt es seit Langem. "Mubaraks Pudel" nennen sie verächtlich Armeechef und Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi, wie ein von Wikileaks veröffentlichtes Protokoll aus dem Jahr 2008 beweist. Tantawi sei inkompetent, in der Truppe herrsche eine "Kultur des Kadavergehorsams", lautete die Kritik. Befördert werde nicht nach Leistung, sondern allein nach Loyalität.

In einem Briefing-Papier für den durchreisenden US-General David H. Petraeus hieß es sogar, unter der Führung von Feldmarschall Tantawi sei "die taktische und operationale Schlagkraft der Armee verrottet". Trotzdem stehe der 75-jährige Armeechef weiterhin in der Gunst Mubaraks, fuhr der Text fort, und er werde sich wohl noch viele Jahre auf seinem Posten halten können.