Der ägyptische Vizepräsident Omar Suleiman ist mit Vertretern der Opposition zusammengekommen. Unter den Teilnehmern seien auch Vertreter der offiziell verbotenen islamistischen Muslimbruderschaft, sagten Teilnehmer. Ziel sei es, einen Ausweg aus der politischen Krise zu finden. Zu dem Treffen sind nach Teilnehmerangaben auch Vertreter säkularer Parteien, Rechtsexperten, der Geschäftsmann Naguib Sawiris und ein Vertreter des Oppositionellen Mohamed ElBaradei geladen. Es ist das erste Treffen der Regierung mit den Muslimbrüdern überhaupt.

Die wichtigste oppositionelle Gruppe in Ägypten hatte Stunden zuvor angekündigt, mit der ägyptischen Regierung über ein Ende der politischen Krise im Land verhandeln zu wollen. In einem ersten Gespräch mit Suleiman wolle man herausfinden, ob die Regierung bereit sei, "die Forderungen des Volkes zu akzeptieren", heißt es in einer Erklärung der islamistischen Gruppierung.

Der Bruderschaft gehe es darum, die Interessen der Nation und die Unabhängigkeit des Landes zu wahren, sagte der Vertreter, der anonym bleiben wollte. Bislang hatte die Muslimbruderschaft Gespräche abgelehnt, solange Präsident Husni Mubarak im Amt ist.

Die Muslimbruderschaft hatte zuvor einen Neubeginn in Ägypten unter Einbeziehung aller Oppositionsgruppen gefordert. Seine Gruppierung trete für eine Übergangsregierung "sämtlicher Oppositionsgruppen", Neuwahlen und die Freilassung aller politischen Gefangenen ein, sagte der stellvertretende Führer der Bruderschaft in Ägypten, Raschad el Bajumi, dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Die Muslimbruderschaft habe bereits konkrete Punkte für die Gespräche genannt, berichtet Al Jazeera. Die Organisation fordere die Auflösung des Parlaments und die Bildung einer Übergangsregierung. Mubarak selbst müsse abtreten. Die Gewalttaten gegen Demonstranten müssten untersucht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Zugleich solle das Recht auf friedlichen Protest und freie Berichterstattung garantiert werden.

Der ägyptische Oppositionsführer Mohamed ElBaradei warnte unterdessen vor einer Übergangsregierung unter der Führung von Präsident Hosni Mubarak oder Vizepräsident Omar Suleiman. Er befürchte, dass friedliche Proteste dann in Gewalt umschlagen könnten, sagte der Friedensnobelpreisträger der Nachrichtenagentur Reuters. Zu Berichten, die USA könnten eine solche Übergangsregierung unterstützen, sagte ElBaradei: "Wenn das wahr ist, dann wäre das ein großer Rückschlag." Der ehemalige Chef der UN-Atombehörde IAEA ist einer der Wortführer der Opposition.

ElBaradei sagte weiter: "Zu hören, dass Mubarak bleiben und dass der Prozess des Wandels im Wesentlichen von seinem engsten militärischen Berater (Suleiman) angeführt werden soll, ohne dass die Zivilisten an der Macht beteiligt werden, ist sehr, sehr enttäuschend." Er gehe nicht davon aus, dass die seit beinahe zwei Wochen anhaltenden Proteste abflauen würden. Allerdings sei zu befürchten, dass es zu weiteren Gewalteskalationen kommen könnte. Es gebe Demonstranten, die seien fest entschlossen, ihre Proteste fortzusetzen, bis Mubarak aus dem Amt gejagt sei.

Den USA warf ElBaradei vor, angesichts der Entwicklungen in Ägypten keine klare Linie zu verfolgen. Dies sei für die nach Freiheit strebenden Ägypter und für ihn persönlich sehr enttäuschend.

Die USA drängen unterdessen auf einen klaren Zeitplan für Reformen in Ägypten. Nach Angaben des Weißen Hauses erkundigte sich US-Vizepräsident Joe Biden telefonisch bei seinem ägyptischen Kollegen Omar Suleiman nach dem Fortschritt "glaubhafter und umfassender Verhandlungen" über einen Übergang Ägyptens zu einer demokratischen Regierung. Biden habe dabei betont, dass eine "konkrete Reformagenda und ein klarer Zeitplan" nötig seien, um der Öffentlichkeit und der Opposition zu zeigen, dass sich die Regierung in Kairo zu Reformen bekenne.

Zuvor hatten bereits US-Präsident Barack Obama und sein britischer Kollege David Cameron einen "realen, sichtbaren und bedeutenden Wandel" in Ägypten angemahnt. Dieser Wandel müsse "sofort beginnen", waren sich die beiden Politiker nach Angaben aus London in einem am Abend geführten Telefonat einig.

Die USA und Europa hatten zuletzt Abstand von einer schnellen Ablösung Mubaraks genommen. US-Außenministerin Hillary Clinton und Bundeskanzlerin Angela Merkel warnten bei der Münchener Sicherheitskonferenz vor einem überstürzten Vorgehen. Die Vorbereitung einer Wahl und die Entwicklung neuer Strukturen brauche Zeit, sagte Merkel. Die USA setzen für die geplante Übergangsphase zunehmend auf Suleiman und haben die Rolle Mubaraks in der Übergangsphase als entscheidend bezeichnet.