Der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei hat sich dafür ausgesprochen, nach dem Sturz des 82-jährigen Präsidenten Hosni Mubarak einen deutlich jüngeren Kandidaten zu nominieren. "Ich hoffe, dass der Präsident zwischen 40 und Anfang 50 sein wird", sagte der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde in einem Interview des Fernsehsenders Al Jazeera.

ElBaradei ist international auch für den Spitzenposten im Gespräch. Sein Rückhalt innerhalb des Landes ist jedoch weit geringer als im Ausland. Obwohl er während des Volksaufstands zeitweise das Sprachrohr der Opposition war, werfen ihm Kritiker vor, zu lange im Ausland gelebt zu haben. 

"Ich werde mich natürlich nicht selbst als Präsident der Republik nominieren", sagte der 68-Jährige. "Ich habe kein Bedürfnis, Präsident zu sein." Es gehe ihm ausschließlich darum zu erleben, dass seinem Land den Übergang zur Demokratie gelinge.

Nach wochenlangem Protest von Millionen Demonstranten hatte Mubarak Ende vergangener Woche seine Macht an seinen Vize Omar Suleiman übergeben, der jetzt auch Chef der Armee ist. Das Militär setzte daraufhin die Verfassung außer Kraft, um eine Neuwahl zu ermöglichen. Binnen sechs Monaten soll die nun stattfinden. Auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo demonstrierten am Wochenende nur noch wenige, Soldaten räumten auf, um die Fahrwege wieder für den Verkehr freizumachen.  

Europa diskutiert derzeit, wie es die Demokratisierung in Ägypten und Tunesien unterstützen kann. Für das EU-Finanzministertreffen in Brüssel bestand Frankreich darauf, dies auf die Tagesordnung zu setzen. Tunesische Regimegegner hatten schon vor Wochen ihren autokratisch regierenden Präsidenten aus dem Amt vertrieben.

Ermuntert durch den Umbruch dort und in Ägypten, erheben sich derzeit auch Oppositionelle in Albanien, Algerien, im Jemen und auch im Golfstaat Bahrain gegen ihre Herrscher.

Thema beim Finanzministertreffen ist auch ein Einfrieren von Vermögen der Spitzenvertreter des Mubarak-Regimes. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde bestätigte, dass Ägypten bei mehreren EU-Staaten um eine Sperrung der Konten gebeten hatte.