Ungeachtet des Dialogs zwischen Regierung und Opposition sollen die Demonstrationen auf den Straßen von Kairo, Alexandria und anderen ägyptischen Städten weitergehen. Dazu hat die Protestbewegung für diesen Dienstag zu neuen Massenkundgebungen aufgerufen, um so den Druck auf Staatspräsident Hosni Mubarak zu erhöhen.

Für den Nachmittag plante die Bewegung "Jugend des 6. April" eine Protestaktion vor dem Gebäude des staatlichen Rundfunks, das nicht weit vom Tahrir-Platz entfernt am Nil-Ufer liegt. Der Protest richte sich "gegen die staatlichen Medien, die Lügen verbreiten, um den Präsidenten zu schützen", sagte eine Sprecherin der Bewegung.

Von den Gesprächen zwischen einigen Oppositionsgruppen und Vizepräsident Omar Suleiman zeigten sich viele Regimegegner unbeeindruckt. Vor allem die jugendlichen Anführer fühlen sich von den dort vertretenen Verhandlungsteilnehmern nicht repräsentiert. Ohnehin brachten die Gespräche nach Angaben der Opposition keine nennenswerten Ergebnisse. Die Teilnehmer vereinbarten einem Regierungssprecher zufolge jedoch die Gründung eines Komitees, das bis März Veränderungen an der Verfassung ausarbeiten soll.

Die neuen Großdemonstrationen gelten auch als Test der Durchhaltekraft der Opposition nach den seit zwei Wochen anhaltenden Protesten. In der vergangenen Woche hatten Hunderttausende Menschen teilgenommen. Ob die Protestbewegung erneut so viele Menschen mobilisieren kann, gilt als fraglich.

Die Opposition hofft weiterhin auf die Unterstützung der Armee. Diese hatte sich am vergangenen Freitag schützend zwischen die Demonstranten und auf Krawall gebürstete Anhänger des Staatschefs gestellt. Nun scheint es, als ob auch die Streitkräfte langsam die Geduld verlieren: Sie versuchen inzwischen, die Demonstranten Stück für Stück von dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo zu drängen. Der Platz ist der wichtigste Versammlungsort der Regimegegner und zugleich ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt in der Hauptstadt.

Wie bereits in den Nächten zuvor schliefen einige Demonstranten in den Gleisketten der Militärfahrzeuge. Damit wollen sie eine gewaltsame Räumung verhindern. Am Montagmorgen waren viele aus ihren Zelten hochgeschreckt, als die Armee versuchte, den Kreis um die Demonstranten enger zu ziehen und einige Barrikaden abzuräumen. Die Menschen versuchten, die Soldaten aufzuhalten.

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Die Regimegegner fürchten sich vor allem vor den Helfershelfern des Regimes. Am Mittwoch vergangener Woche war es zu heftigen Straßenschlachten zwischen den beiden Lagern gekommen, als sich Mubarak-Unterstützer unter die oppositionellen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz gemischt hatten. Offiziellen Angaben zufolge kamen dabei elf Menschen ums Leben, etwa Tausend weitere wurden verletzt.

Vizepräsident Suleiman versprach im Staatsfernsehen, dass die Regierung nicht gegen die Demonstranten vorgehen werde. Zugleich gab er bekannt, dass die Regierung einen Zeitplan für eine friedliche Machtübergabe ausgearbeitet habe.

Staatschef Mubarak kündigte nun eine Untersuchung der Gewalt an. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Mena berichtete, ordnete Mubarak die Bildung einer Untersuchungskommission an. Diese solle "transparent, unabhängig und unparteiisch" sein und aus "ägyptischen Persönlichkeiten bestehen, die bekannt sind für ihre Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit". Die Kommission solle die "schreckliche und inakzeptable" Gewalt untersuchen, die "unschuldige Opfer unter den Demonstranten" hervorgebracht habe.

Auch die ägyptische Übergangsregierung versucht, die Lage im Land weiter zu beruhigen. So beschloss sie eine 15-prozentige Erhöhung der Löhne von Staatsbediensteten sowie aller Renten, die zum April in Kraft treten soll. Zudem verkürzte die Regierung erneut die nächtliche Ausgangssperre. Nach Angaben des Staatsfernsehens wurde sie auf die Zeit von 20 Uhr bis 6 Uhr beschränkt.

Das Weiße Haus äußerte sich zuversichtlich ob der Entwicklung in Ägypten, vor allem wegen der Gespräche zwischen Regierung und Opposition. "Offensichtlich muss Ägypten einen Weg verhandeln und sie machen Fortschritte", sagte US-Präsident Barack Obama. Sein Sprecher Robert Gibbs sagte, ganz offensichtlich sei in Kairo
ein Prozess begonnen worden. Dieser Prozesse müsse zu fairen und freien Wahlen führen. Gibbs fügte allerdings hinzu: "Worte sind nicht genug." Es müsse wirklichen Wandel geben.