Die Soldaten sind nach dem Abgang von Präsident Mubarak die neuen Herrscher Ägyptens. Der Hohe Militärrat hat die Macht übernommen, der Verteidigungsminister sitzt dem Generalsgremium vor. "Freiheit", die viele Ägypter feiern, fällt einem westlichen Bürger dazu nicht gerade ein. Doch in Ägypten hat das Wort in diesem Augenblick seine Berechtigung.

Es war die Armee, die in den vergangenen knapp drei Wochen die Ruhe im Lande bewahrte, obwohl das Regime sich bemühte, so viel Chaos wie möglich anzurichten. Es war die Armee, die nach eineinhalb Tagen sträflichen Zögerns die Demonstranten gegen die Angriffe des Mubarak-Mobs aus bezahlten Banditen geschützt hat. Es war die Armee, die zuletzt die Reste von Ordnung aufrecht erhielt, nachdem die Polizei die Gefängnisse geöffnet und sich zurückzogen hatte. Es waren die einfachen Soldaten in der Innenstadt von Kairo, denen man anmerkte, dass sie dem Volk nahestehen und nicht dem Herrscher. Freiheit braucht Vertrauen, Freiheit braucht Berechenbarkeit.

Deshalb ruft der Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei, die Armee müsse Ägypten retten. Das ist ein großes Wort. Die Erwartungen an den Hohen Militärrat sind groß, und wahrscheinlich viel zu groß, als dass er sie erfüllen könnte. Weder Verteidigungsminister Tantawi noch einer der hohen Generäle hat sich bisher als charismatischer, kluger Führer des Übergangs hervorgetan. Am wahrscheinlichsten ist nun eine temporäre Leitung im Kollektiv.

Die wichtigste Aufgabe des Militärrats wird sein, das Vertrauen der Ägypter in ihre Zukunft zu stärken, Berechenbarkeit zu schaffen, damit eine neue Ordnung aufgebaut werden kann. Die hingebogene Unrechtsverfassung muss um- oder am besten neu geschrieben werden. Die korrupten Strukturen zwischen Regime, Big Business, ehemaligen Generälen und Sicherheitsapparaten müssen aufgebrochen werden. Die marginalisierten Oppositionsparteien werden zu seriösen Planern des politischen Systems Ägyptens wachsen müssen.

Ägypten steht vor einem tiefen Umbruch. Noch sind die Figuren nicht sichtbar, die das größte arabische Land in eine bessere Zukunft führen können. ElBaradei ist wohl zu unpopulär – und Amr Moussa, Chef der arabischen Liga, steht der alten Zeit zu nahe. Es würde zu dieser Revolution passen, wenn junge Politiker aus der Generation Tahrir die neue Zeit prägen. Vor allem aber ist es wichtig, dass es am Ende kein General mehr ist, der das Land führt. So viel Selbstlosigkeit muss das Land dem Hohen Militärrat abverlangen.