Drei Tage nach dem Sturz von Hosni Mubarak beginnen in Ägypten die Gespräche über die Zukunft des Landes. Der Oberste Militärrat beschreitet dabei neue Wege und hat auch Internet-Aktivisten in den Dialog miteinbezogen. Die Regierung Mubarak hatte sich stets geweigert, im Internet entstandene Bewegungen als legitime Oppositionskraft anzuerkennen.

An dem Treffen nahmen auch der ägyptische Google-Manager Wael Ghonim und der Blogger Amr Salama teil. "Wir haben die Armee getroffen, um ihren Standpunkt zu verstehen und unseren darzustellen", schrieben beide in einer gemeinsamen Erklärung im Internet. Demnach kündigte der Oberste Militärrat an, in den kommenden anderthalb Wochen Änderungen an der Verfassung vorzuschlagen. Über die Vorschläge soll die Bevölkerung binnen zwei Monaten in einem Referendum abstimmen.

Der Militärrat versicherte laut Ghonim und Salama, dass er nicht dauerhaft regieren wolle und Ägypten eine zivile Regierung bekomme. Das Gremium wolle unabhängig von ihren Posten und ihrer Vergangenheit "all diejenigen juristisch verfolgen, die der Korruption beschuldigt" würden, hieß es in der Mitteilung der Internet-Aktivisten. Außerdem solle nach allen als vermisst gemeldeten Demonstranten gesucht werden.

Ghonim ist Google-Marketingchef für den Nahen Osten und Afrika. Er war während der Proteste gegen Mubarak festgenommen worden und hatte zwölf Tage in Haft verbracht. Er verwaltete die Facebook-Gruppe "Wir sind alle Chaled Said", die an der Organisation der regierungskritischen Massenproteste beteiligt war. Der Name der Gruppe bezieht sich auf einen jungen Mann, den die ägyptische Polizei zu Tode geprügelt hatte. 

Zuvor hatte sich der Militärrat kooperativ gezeigt und erfüllte damit zentrale Forderungen der Mubarak-Gegner. Das Parlament wurde aufgelöst, in spätestens sechs Monaten soll es Neuwahlen geben. Die Verfassung wurde bis zur Volksabstimmung über die Änderungen außer Kraft gesetzt. Das Ausland, darunter auch die Bundesregierung, bot Kairo Unterstützung bei der Entwicklung der verfassungsrechtlichen Grundlagen und des Parteiensystems sowie bei der Organisation der Wahlen an.

Das Land kehrt langsam wieder zur Normalität zurück – auch ohne Parlament und Präsident. Der Massenprotest ist vorbei, die Dauerbesetzer auf dem Tahrir-Platz, dem zentralen Ort der Proteste, hatten ihre Zelte bereits am Sonntag abgebrochen. Inzwischen hält sich nur noch eine kleine Gruppe von Demonstranten dort auf, der Verkehr floss wieder. Jetzt gehen vereinzelt Polizisten, Beamte und Angestellte auf die Straße. Sie wollen bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld. 

Diese Streiks und Protestkundgebungen will die Armeeführung jedoch im Keim ersticken. Sie rief die Bürger dazu auf, alle Demonstrationen sofort zu beenden. Diese Aktionen gefährdeten die Sicherheit des Landes, schadeten der Wirtschaft und behinderten die Menschen in ihrem Alltag. In dieser kritischen Phase müssten Volk und Armee zusammenstehen, damit die "verantwortungslosen Elemente" der Gesellschaft die Situation nicht ausnutzen könnten, heißt es in einer im staatlichen Fernsehen verlesenen Erklärung.