Hosni Mubarak hat den Forderungen der Protestbewegung nachgegeben: Wie Ägyptens Vizepräsident Omar Suleiman im staatlichen Fernsehen mitteilte, sei der Staatschef zurückgetreten und habe die Führung des Landes an die Armee übergeben. Ab sofort übernehme der Oberste Militärrat unter der Leitung von Verteidigungsminister Mohamed Hussein Tantawi die Machtbefugnisse.

Auf diese Worte hatten hunderttausende Menschen in ganz Ägypten seit Wochen gewartet. Beim Bekanntwerden der Nachricht brachen die Massen auf dem Kairoer Tahrir-Platz und in den Straßen der Hauptstadt in frenetischen Jubel aus. Korrespondeten berichten von einem wahren Freudentaumel. Die Menschen tanzten, hüpften und schwenkten ägyptische Fahnen. "Das Volk hat das Regime gestürzt", skandierten Demonstranten. Einige riefen "Gott ist groß", andere fielen, überwältigt von den Eindrücken, in Ohnmacht.

Oppositionsführer und Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei sagte laut der BBC: "Das ist der schönste Tag meines Lebens." Die bislang verbotene Muslimbruderschaft spricht von einem Sieg für das ägyptische Volk. Der zwischenzeitlich inhaftierte Internet-Aktivist und Google-Manager Wael Ghonim schrieb auf Twitter: "Glückwunsch Ägypten! Der Verbrecher hat den Palast verlassen."

Auch in Tunesien, wo durch heftige Proteste Mitte Januar Präsident Sein al-Abidin Ben Ali gestürzt worden war, kam es zu spontanen Freudentänzen auf den Straßen. Als Reaktion auf die Nachricht vom Rücktritt Mubaraks erklangen Hupkonzerte im Zentrum der Hauptstadt Tunis. "Großartig! Innerhalb eines Monats sind zwei Diktatoren gestürzt", sagte eine Studentin.

Mubarak war am Nachmittag mit seiner Familie in den Badeort Scharm al Scheich am Roten Meer geflogen, wo er eine Villa besitzt. Er hatte am Vorabend in einer mit Spannung erwarteten Fernsehansprache einen Teil seiner Befugnisse an Suleiman abgegeben, ohne aber ein Wort zu einem Rücktritt zu sagen. Zudem machte er umfassende Reformzusagen. Diese umfassen unter anderem faire und freie Wahlen und die Aufhebung des seit 30 Jahren bestehenden Notstandes.

Diesen Versprechen fühlt sich offenbar auch die neue Macht im Staat verpflichtet: In einer Mitteilung garantierte das Militär die Verfassungsreformen. Es erhoffte sich damit auch, die Lage zu deeskalieren und die Protestwelle zu beenden.

Die Bundesregierung begrüßte den Schritt Mubaraks. Der Präsident habe seinem Volk einen Dienst erwiesen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Nun müsse es freie Wahlen geben. Und Ägypten solle die Verträge mit Israel einhalten. "Wir sind Zeugen eines historischen Umbruchs", sagte Außenminister Guido Westerwelle. "Wir freuen uns, dass der Weg frei ist für einen politischen Neuanfang." Die Bundesregierung sei bereit, im Rahmen einer engen Partnerschaft beim demokratischen Wandel zu helfen.

Mit dem Rücktritt Mubaraks geht in Ägypten eine Ära zu Ende. Der frühere Luftwaffenoffizier hatte das bevölkerungsreichste Land der arabischen Welt seit 1981 autoritär regiert.