Der Ausgang des politischen Erdbebens in Ägypten ist nach wie vor ungewiss. Das Aufbegehren am Nil aber wird auch den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern nachhaltig prägen. Obwohl es in den palästinensischen Gebieten bislang weitgehend ruhig geblieben ist, verfolgen Verantwortungsträger in Ramallah und Gaza die Entwicklung ebenso gebannt wie die palästinensische Bevölkerung. Zuversicht und Besorgnis halten sich die Waage. "Die Palästinenserführung weiß, dass Freiheit ansteckend sein kann", sagt Mahdi Abdel Hadi, Direktor des Instituts für internationale Politik PASSIA in Jerusalem. "Das führt zu widersprüchlichen und nervösen Reaktionen."    

In Ramallah hat sich die Palästinenserführung bislang kritischer Kommentare zu Ägypten enthalten. Allzu gut ist noch in Erinnerung, wie sich die Palästinenser in den Tagen des Golfkriegs voreilig auf die Seite Saddam Husseins gestellt und damit politisch ins Abseits katapultiert hatten. Diesen Fehler möchte man nicht wiederholen. 

Enthaltsamkeit beherrscht auch die offiziellen Medien: Während Al Jazeera am laufendem Band Breaking News aus Kairo über die Ticker jagt, setzt das Fernsehen in Ramallah bislang auf Unterhaltung. Kairo gelangt nur in Form ägyptischer Seifenopern in die Wohnzimmer. "Die Berichterstattung ist ein schlechter Witz", kommentiert der palästinensische Journalist Nasser Lahham.

Hinter den Kulissen liegen die Nerven blank. Die Führung in Ramallah fürchtet ein Übergreifen der Unruhen auf die Westbank. Dies auch, weil ihr politisches Mandat seit Anfang 2009 ausgelaufen ist. Getrieben von den Ereignissen in Ägypten beschloss die Fatah-Bewegung von Machmud Abbas daher überraschend, dass im Juli Kommunalwahlen stattfinden sollen. Noch im Sommer waren diese auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

Der populäre Oppositionspolitiker Mustafa Barghouthi sieht hierin ein grundsätzliches Umdenken: Er hofft, dass "das Tor zur Demokratie nun auch in Palästina aufgestoßen wird". Dies mag allzu optimistisch erscheinen, dennoch ist es ein erster Schritt, die Bevölkerung stärker zu beteiligen.