Der Massenprotest geht in die dritte Woche: Auf dem Tahrir-Platz in Kairo demonstrieren Hunderttausende Gegner des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak und verlangen dessen Rücktritt. Ununterbrochen strömten am Nachmittag weitere Menschen auf den Platz, der in der Hauptstadt zum Zentrum des Widerstands wurde, berichtete der arabische Nachrichtensender Al Jazeera. Die ägyptische Armee kontrollierte den Zugang zum Platz, zivile Ordner aus den Reihen der Demonstranten tasteten die Menschen nach Waffen ab. Ausländischen Journalisten ohne entsprechende Zulassung verweigerten die Soldaten den Zutritt.

Oppositionsgruppen hatten zu dem "Marsch der Million" gegen Mubarak aufgerufen. Viele hatten bereits die Nacht auf dem Tahrir-Platz verbracht. "Ich bin heute erstmals hier", sagte eine Lehrerin aus Kairo. "Ich merke jetzt, dass man keine Angst haben muss." Auch in Alexandria kam es zu neuen Protesten gegen das Regime.

Der durch das Erstarken der Protestbewegung unter politischen Druck geratene Staatspräsident machte unterdessen weitere Zugeständnisse. Vizepräsident Omar Suleiman sagte im Staatsfernsehen, Mubarak habe angeordnet, dass ein Komitee eine Verfassungsänderung vorbereiten soll.

Bei der angestrebten Reform geht es vor allem darum, die Bedingungen für eine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl zu lockern. Denn die ägyptische Verfassung regelt den Antritt zu einer Präsidentschaftswahl sehr restriktiv, sie begrenzt zudem die Macht des Verfassungsgerichts und engt den Spielraum politischer Parteien ein.

Suleiman sagte weiter, gemeinsam mit der Opposition werde ein Zeitplan für einen friedlichen Machtwechsel erarbeitet. Mubarak will zudem den Dialog mit seinen Kritikern fortsetzen, um "eine friedliche und organisierte Übergabe der Macht unter Achtung der Verfassung" zu ermöglichen. In den letzten Tagen hatte es auch den Vorschlag gegeben, Mubarak für eine medizinische Behandlung nach Deutschland zu holen. Das hätte den Machtwechsel in Ägypten aus Sicht von Beobachtern beschleunigt.

Mubarak habe außerdem versprochen, dass es keine Strafverfolgung der Demonstranten geben werde, sagte der Vize. Die für die Verfassungsreform eingesetzte Kommission solle die "schreckliche und inakzeptable" Gewalt am vergangenen Mittwoch auf dem Tahrir-Platz untersuchen, die zu "unschuldigen Opfern unter den Demonstranten" geführt habe. Vergangene Woche hatte es Berichte gegeben, die Gewalttäter seien von Mubarak bezahlte Schlägertrupps.

Abseits der Demonstrationsorte kehrte Kairo zunehmend zum Alltag zurück. Die meisten Geschäfte waren wieder geöffnet, zudem wurde die nächtliche Ausgangssperre um eine Stunde verkürzt.