Der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit hat sich mit einem Ruf nach wirtschaftlicher Hilfe an die internationale Gemeinschaft gewandt. Per Telefon bat er die Außenminister der USA, Großbritanniens und Saudi-Arabiens, also Hillary Clinton, William Hague und Saud el Faisal, um Unterstützung. Der Grund: Durch "die politische Krise" sei die heimische Wirtschaft "hart getroffen" worden.

Zahlen der französischen Bank Crédit Agricole stützen diese Auffassung. Demnach gingen Ägypten auf dem Höhepunkt der von Streiks begleiteten Massenproteste täglich Einnahmen von mindestens umgerechnet 228 Millionen Euro verloren. Das Finanzinstitut senkte seine Wachstumsprognose für Ägypten für 2011 von 5,3 Prozent auf 3,7 Prozent.

Zuvor hatte der Oberste Militärrat, der nach dem Sturz von Staatspräsident Hosni Mubarak die Macht in dem Land übernommen hat, die Bevölkerung dazu aufgerufen, angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage von weiteren Demonstrationen und Streiks abzusehen. Bereits vor der Protestwelle ging es den Ägyptern wirtschaftlich schlecht: Etwa 40 Prozent von ihnen leben unterhalb der Armutsgrenze.

Die Demonstrationen hatten insbesondere zu einem Einbruch in der für das Land sehr wichtigen Tourismusbranche geführt, in der mehr als 2,5 Millionen Menschen arbeiten. Hier dürfte sich die Lage aber wieder entspannen, denn zumindest die deutsche Tourismusbranche will "nach und nach" wieder Kunden nach Ägypten fliegen. Auch das Auswärtige Amt hatte seine Reisewarnung entschärft und erklärt, Reisen in die ägyptischen Urlaubsgebiete am Roten Meer seien wieder möglich.

Neben der wirtschaftlichen Entwicklung steht vor allem der politische Wandel des Landes im Fokus der Aufmerksamkeit. Dazu trat in Kairo erstmals die Kommission für eine Überarbeitung der Verfassung zusammen. Das Gremium aus Juristen wird vom ehemaligen Präsidenten des Staatsrats, Raek el Beschri, geleitet, der in der Bevölkerung breite Anerkennung genießt. Sie soll laut Armee binnen zehn Tagen ihre Änderungsvorschläge vorlegen.

Zu den zehn Juristen des Komitees gehört auch Sobhi Salih, Anwalt und ehemaliger Parlamentarier der oppositionellen Muslimbruderschaft. Ihm zufolge will die Armee die Macht "möglichst bald" wieder an eine zivile Regierung zurückgeben. Bei dann anstehenden Wahlen wollen sich auch die Muslimbrüder neu aufstellen: Mohammed Mursi, ein Führungsmitglied der Oppositionsbewegung, kündigte an, eine reguläre Partei solle gegründet werden.