Die Zahl der bei einer Schießerei im Bundeswehr-Außenposten OP North in der afghanischen Provinz Baghlan getöteten deutschen Soldaten hat sich auf zwei erhöht. Dies bestätigte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Nachmittag in Berlin. Drei Soldaten seien schwer verletzt und schwebten in Lebensgefahr. Vier weitere Bundeswehrsoldaten seien leicht verletzt worden. Zunächst war von einem toten und acht verletzten deutschen Soldaten die Rede gewesen.

Der genaue Hergang des Zwischenfalls war zunächst unklar. Nach ersten Berichten soll der Täter eine Uniform der afghanischen Streitkräfte getragen und eine Handwaffe benutzt haben. Unklar war, ob er ins Lager eingedrungen war, oder ob er von außerhalb auf die deutschen Soldaten schoss. Da das Lager im Moment ausgebaut wird, befinden sich dort zahlreiche afghanische Lagerarbeiter und Soldaten. Erst einen Tag zuvor hatte Guttenberg das Lager besucht und im OP North übernachtet.

Die internationale Afghanistan-Truppe Isaf hatte in Kabul zunächst nur bestätigt, dass es im Distrikt Baghlan einen Toten gegeben habe. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert und den Schützen schwer verletzt. Guttenberg hatte in einem ersten Statement lediglich gesagt: "Ich trage die Verantwortung für die Soldaten im Einsatz, wie ein Ereignis am heutigen Tag einmal mehr auf bittere Weise zeigt."

Der Stützpunkt mit derzeit 500 Soldaten gehört zu den gefährlichsten der Bundeswehr. Vergangenes Jahr starben im dortigen Einsatzgebiet fünf deutsche Soldaten. Im Dezember wurde ein Soldat durch einen Schuss aus der Waffe eines Kameraden getötet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb noch. In den vergangenen Wochen hatte sich die Sicherheitslage in der Region allerdings deutlich verbessert.

Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001 kamen insgesamt 46 deutsche Soldaten ums Leben. 28 davon starben im Gefecht oder bei Anschlägen. Derzeit sind am Hindukusch mehr als 5000 deutsche Soldaten stationiert. Die Bundeswehr ist im Rahmen des internationalen Einsatzes für den Norden des Landes zuständig. Ende dieses Jahres soll mit dem Abzug der ersten deutschen Soldaten begonnen werden.