Bei einem Anschlag in einem deutschen Feldlager in Nordafghanistan sind am Freitag zwei Bundeswehrsoldaten getötet worden. Drei weitere deutsche Soldaten seien schwer und vier weitere leicht verwundet worden, teilte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit. Ein Mann in afghanischer Uniform habe völlig überraschend auf einem Abstellplatz für Fahrzeuge in der Nähe des Haupttores auf die deutschen Soldaten geschossen.

Ein 30-jähriger Hauptfeldwebel starb bereits kurz nach dem Angriff. Am Nachmittag erlag schließlich ein Stabsgefreiter seinen schweren Verletzungen. Der Angreifer, der mit den deutschen Soldaten im Außenposten OP North zusammenarbeitete, wurde bei dem Schusswechsel erschossen. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die übrigen drei Schwerverletzten befänden sich weiter in einem kritischen Zustand und würden in Lazaretten behandelt.

Guttenberg sagte, seine Gedanken und Gebete seien bei den Angehörigen der verstorbenen und verletzten Soldaten. Der Minister, der wegen Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit in der Kritik steht, hatte selbst während seiner Afghanistanreise die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag in dem Außenposten in der Provinz Baghlan verbracht.

Die Bundeswehr kämpft als Teil der neuen Strategie des "Partnering" seit vergangenem Sommer Seite an Seite mit den afghanischen Truppen. Guttenberg räumte ein, dieses Miteinander berge Risiken. Dies hätten auch die Verbündeten bereits erfahren. "Dennoch darf dieser Anschlag gerade nicht dazu führen, das bislang sehr erfolgreiche Partnering infrage zu stellen", sagte der CSU-Politiker. Es handele sich um den richtigen Weg, die angestrebte Übergabe der Verantwortung zu erreichen. Der Schütze war nach Angaben des Ministeriums eingesetzt zur Außensicherung des OP North.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einem "hinterhältigen Terrorakt". Der Anschlag habe nicht nur der Bundeswehr gegolten. "Es war ein Angriff auf all jene, die sich für ein friedliches Afghanistan einsetzen", erklärte er. Seit 2002 kamen mit dem jüngsten Anschlag 47 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan ums Leben. Insgesamt befinden sich rund 4900 deutsche Soldaten am Hindukusch im Einsatz.

Nach Ansicht der Linken-Politikerin Christine Buchholz belegt die Schießerei mitten im Bundeswehr-Camp das Scheitern des Konzepts der Nato, in Afghanistan eine "Bürgerkriegsarmee" auszubilden. Wenn es genüge, sich die Uniform der afghanischen Armee anzuziehen, um Tod und Verderben in einen Bundeswehrposten zu bringen, werfe dies Fragen auf.

Derweil wurden bei einem Selbstmordanschlag im Osten Afghanistans mindestens neun Menschen getötet, überwiegend Zivilisten. Dutzende Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei in der Provinz Chost an der Grenze zu Pakistan weiter mit. Der Selbstmordattentäter habe sich an einem Kontrollpunkt an der Hauptstraße in der Nachbarprovinz Paktia in die Luft gesprengt. Polizisten hätten den Angreifer bemerkt und auf ihn geschossen. Allerdings hätten sie die Zündung des Sprengsatzes nicht verhindern können.