Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi startet zum Gegenangriff: In einem Telefoninterview mit dem Fernsehsender Canale 5, der zu seinem Konzern Mediaset gehört, sagte Berlusconi, er sehe in den landesweiten Protesten eine "aufrührerische Mobilmachung durch einen linken Flügel, der jeden Vorwand nutzt, um einen Gegner zu schlagen, den man nicht demokratisch an einer Wahlurne besiegen kann".

Hunderttausende Italienerinnen hatten am Sonntag angesichts der Callgirl-Affäre um Berlusconi gegen ein sexistisches Frauenbild in der italienischen Gesellschaft protestiert. "Genug", riefen Zehntausende Frauen auf der Piazza del Popolo in Rom. "Wir sind hier um zu sagen, dass italienische Frauen nicht alle wie Berlusconis Prostituierte sind", sagte die Demonstrantin Maria Rosa Veritta in Mailand. "Lasst uns die Würde der Frauen verteidigen", hieß es bei einer Kundgebung in Siziliens Hauptstadt Palermo. Auch in Neapel, Venedig und anderen Städten gingen zahlreiche Frauen, unterstützt von Männern und Kindern, auf die Straße.

In dem Interview versicherte der Regierungschef, Frauen mit Respekt zu behandeln. "Jede Frau, die Gelegenheit hatte, mich kennen zu lernen, weiß um meine Achtung für sie: Ich habe mich ihnen gegenüber immer mit der größten Aufmerksamkeit und mit Respekt verhalten", sagte er. "Ich habe immer dafür gesorgt, dass sie sich – wie soll ich sagen – besonders fühlen."

Dem Regierungschef droht derzeit ein Prozess, weil er die minderjährige Marokkanerin Ruby für Sex bezahlt haben soll. Er soll zudem sein Amt missbraucht haben, um Rubys Freilassung zu erwirken, als diese im Mai wegen Diebstahlverdachts in Polizeigewahrsam war. Die Mailänder Staatsanwaltschaft beantragte vergangene Woche deshalb ein Schnellverfahren, über das die zuständige Richterin Cristina Di Censo vermutlich noch diese Woche entscheidet.

Das Ansehen von Berlusconi hat die Callgirl-Affäre beschädigt, seine Umfrage-Ergebnisse sind auf einem Tiefstand: Nur noch knapp jeder dritte Italiener bewertet die Regierungsarbeit von Berlusconi positiv. Und jeder vierte Berlusconi-Gegner ist nach einer Umfrage dafür, den Regierungschef jetzt auf dem "ägyptischen Weg" mit anhaltenden Demonstrationen zum Rücktritt zu zwingen.