Die Ermittler haben ihre Arbeit abgeschlossen, nun wollen sie wegen der Sex-Vorwürfe gegen Berlusconi einen Prozessantrag stellen: Am Mittwoch werde ein entsprechendes Ersuchen bei dem zuständigen Richter eingereicht, sagte Chefankläger Edmondo Bruti Liberati.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem italienischen Regierungschef vor, bei Partys auf seinem Anwesen Frauen für Sex bezahlt zu haben, darunter auch eine damals 17-jährige marokkanische Nachtclubtänzerin, genannt Ruby. Berlusconi steht außerdem unter Verdacht, die Polizei unter Druck gesetzt zu haben: Bisherigen Erkenntnissen nach intervenierte er bei den Beamten, sie sollten die wegen Diebstahls festgenommene Tänzerin freilassen.

Die Stimmung im Land ist aufgeheizt: Immer mehr Italiener wandten sich in letzter Zeit öffentlich gegen Berlusconi: Tausende demonstrierten am Wochenende und verlangten seinen Rücktritt. Prominente wie die Autoren Umberto Eco und Roberto Saviano forderten, Italien müsse zur Demokratie zurückkehren.

Berlusconi selbst hält die Vorwürfe für eine "Farce" und wies sie als politisch motiviert zurück. Er habe nie für Sex bezahlt, beteuerte er. Er habe "eine dicke Haut", sagte er als Reaktion auf die Demonstrationen und Rücktrittsbegehren. Zudem ruht er sich auf Umfragen aus: Einer Erhebung aus der vergangenen Woche nach kommt er derzeit auf 51 Prozent Zustimmung.

Gegen Berlusconi ermitteln mehrere Justizbehörden. Der in Mailand bearbeitete Fall hat nach Angaben von Staatsanwalt Liberati nichts mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von Neapel zu tun, bei denen es ebenfalls um Prostitution gehe.