Ein Großaufgebot an Sicherheitskräften hat in China versucht, Proteste nach arabischem Vorbild zu verhindern. Es war die größte Polizeiaktion seit den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Zehntausende Polizisten waren in der Hauptstadt und zwei Dutzend anderen Städten mobilisiert.

In Peking wurden mehrere ausländische Korrespondenten festgenommen. Unter ihnen waren auch ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa sowie die Korrespondenten von ARD und ZDF mit ihren Kamerateams. Der dpa-Journalist wurde nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt, musste aber das Gebiet um die Haupteinkaufsstraße Wangfujing verlassen, wo zu Protestaktionen aufgerufen worden war.

In der Straße patrouillierten Hunderte Polizeikräfte in Uniform und Zivil. Etwa zum Zeitpunkt der geplanten Jasmin-Proteste nach arabischem Vorbild fuhren vier Reinigungsfahrzeuge vor. Die Menschenmassen in der Einkaufsstraße wurden zum Teil rabiat zur Seite geschoben, wie Augenzeugen schilderten. Große Teile der breiten Einkaufsstraße wurden zeitweise abgeriegelt.

Andere Korrespondenten, darunter auch Christine Adelhardt von der ARD und Johannes Hano vom ZDF, wurden zum Teil stundenlang festgehalten. Ihnen wurde vorgeworfen, mit ihren Dreharbeiten "gegen Vorschriften zu verstoßen". Die Polizei forderte Hano auf, das Filmmaterial zu löschen, was Hano ablehnte. Auch Korrespondenten anderer ausländischer Medien wurden festgesetzt. Die deutsche Botschaft hat sich bereits eingeschaltet, um die deutschen Journalisten freizubekommen.

Außenminister Guido Westerwelle hat das Vorgehen der Polizei in China gegen ausländische Journalisten derweil kritisiert. "Ich bedaure diese Festnahmen. Ich bin auch sehr beunruhigt über diese Nachrichten", sagte er. Die Bundesregierung werde den chinesischen Gesprächspartnern die "Sorge in einer passenden Weise auch zum Ausdruck bringen". 

Chinas Regierungschef Wen Jiabao hatte zuvor auf Protestaufrufe im Internet reagiert. In dem offenbar von chinesischen Exilgruppen lancierten Aufruf hieß es, die Bürger sollten sich jeden Sonntag um 14 Uhr (Ortszeit, 7 Uhr MEZ) im Zentrum von Peking, Shanghai und elf weiteren Städten zum "Spazieren" versammeln, um von der regierenden kommunistischen Partei politische Reformen einzufordern.

Wen Jiabao versprach, gegen Inflation, Korruption und Spekulation vorzugehen. In einem Chat mit Internetnutzern signalisierte Wen, dass er die Sorgen der Bürger ernst nehme. "Der Sinn unserer wirtschaftlichen Entwicklung ist es, die wachsenden materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Menschen zu erfüllen und das Leben der einfachen Leute zu verbessern", sagte der Premier.

Wen sicherte zu, gegen Inflation vorzugehen. "Der rasche Preisanstieg hat Auswirkungen auf das Leben der Menschen und die soziale Stabilität", sagte er. Ungeachtet von Maßnahmen, um den Preisanstieg zu dämpfen, liegt die Inflation bei 4,9 Prozent. Steigende Preise für Lebensmittel und Mieten bestimmen die Schlagzeilen in China. In der Vergangenheit hatte es wiederholt Proteste gegen steigende Lebenshaltungskosten gegeben. Wen kündigte zudem an, das jährliche Wachstum der Wirtschaftskraft in den kommenden fünf Jahren auf sieben Prozent zu begrenzen.